2019-02-15 21:14

Weltkonzern verlegt Hauptsitz ins SRG-Hochhaus

Bern

Es ist eine der bedeutendsten Ansiedlungen der vergangenen Jahre: Der Weltkonzern Wabco verlegt seinen Hauptsitz ins SRG-Hochhaus. Vorerst werden 40 Mitarbeiter dort arbeiten.

Bremsscheiben, die neben höherer Sicherheit auch weniger Verbrauch gewährleisten sollen, sind eines der Produkte von Wabco Automation.

Bremsscheiben, die neben höherer Sicherheit auch weniger Verbrauch gewährleisten sollen, sind eines der Produkte von Wabco Automation.

(Bild: PD)

  • Stefan Schnyder und Markus Zahno

Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Stadt Bern ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort. Das zeigt die neuste Ansiedlung, welche die kantonale Wirtschaftsförderung eingefädelt hat. Der weltweit tätige Wabco-Konzern hat entschieden, seinen Hauptsitz mit 40 Mitarbeitern von Brüssel nach Bern zu verlegen. Wabco gehört zu den Weltmarktführern im Bereich Bremstechnik für Nutzfahrzeuge. Der Konzern erzielt einen Jahresumsatz von 3,8 Milliarden Dollar und beschäftigt rund 16'000 Angestellte.

«Das ist für den Kanton Bern ein grosser Erfolg», freut sich der kantonale Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP). Die ihm unterstehende kantonale Standortförderung verhandelte schon seit längerer Zeit mit der Wabco-Spitze. Da Wabco an der Börse kotiert ist, verliefen die Verhandlungen unter höchster Geheimhaltung. Selbst die Behörden der Stadt Bern wurden erst sehr kurzfristig in die Ansiedlung eingeweiht.

Einzug ins SRG-Hochhaus

Wabco wird sich im Verlaufe dieses Jahres im SRG-Hochhaus an der Giacomettistrasse einmieten, wie ein Wabco-Sprecher auf Anfrage erklärt. Und zwar im 14. Stockwerk. Dort wird die gesamte Unternehmensleitung, inklusive des Konzernchefs und des Verwaltungsratspräsidenten, arbeiten.

Die Chefetage des Wabco-Konzerns wird in den 14. Stock des SRG-Hochhauses in Bern ziehen. (Karte: Google Maps)

Damit löst der Konzern wenigstens teilweise ein Problem der SRG, welche seit einiger Zeit Nachmieter sucht. Dies, weil sie plant, die Generaldirektion vom Hochhaus an der Giacomettistrasse ins SRG-Gebäude an der Schwarztorstrasse zu verlegen. In Letzterem wird Platz frei, weil die Radio- und Fernsehgesellschaft das Radiostudio nach Zürich verlegen will.

Die Trümpfe von Bern

Der Entscheid des Wabco-Konzerns wurde Anfang November gefällt, wie die kantonale Standortförderung schreibt. Dass sich der an der New Yorker Börse kotierte Grosskonzern nach einer «mehrmonatigen, internationalen Standortsuche» ausgerechnet für Bern entschied, sei kein Zufall, erklärt Sebastian Friess, Leiter der kantonalen Standortförderung.

Ausschlaggebend war unter anderem die Nähe zur bernischen Fachhochschule sowie zu Industriepartnern. In Zusammenarbeit mit ihnen will das Unternehmen im Kanton Bern mittel- und längerfristig ein Technologiezentrum aufbauen, will hier vor allem in die Forschung und Entwicklung im Bereich «autonomes Fahren» investieren. Die Rede ist laut Nachrichtenagentur SDA von 100 bis 200 zusätzlichen Arbeitsplätzen.

Der Steuerdeal

Wie bei solchen Fällen üblich, dürfte der Kanton Bern auch jetzt dem neu angesiedelten Unternehmen einen attraktiven Steuerdeal angeboten haben. Zu Einzelheiten macht der Kanton keine Angaben. Das Gesetz über die Standortförderung gibt dem Regierungsrat die Kompetenz, einem neu angesiedelten Unternehmen die Gewinnsteuern bis zu 10 Jahre um bis zu 100 Prozent zu erlassen. Steuerlich nicht geschont werden dagegen die Mitarbeiter, die hier Wohnsitz nehmen.

«Der Entscheid des Wabco-Konzerns ist ein grosser Erfolg für den Kanton Bern.»Christoph Ammann, Volkswirtschaftsdirektor

Für solche Neuansiedlungen gelten steuerlich ganz andere Bedingungen als für die ordentlich besteuerten Unternehmen. Dennoch versuchte am Freitag der städtische Finanzdirektor Michael Aebersold (SP), eine Verbindung zwischen der Ansiedlung des Wabco-Konzerns und der kantonalen Abstimmung über die Unternehmenssteuern vom November 2018 herzustellen: «Der Entscheid von Wabco zeigt, dass die Stadt Bern ein attraktiver Standort ist. Das ist wohltuend.»

Und dann schob der Gegner der Steuervorlage nach: «Die Befürworter der kantonalen Vorlage vom November 2018 warnten davor, dass der Kanton und die Stadt Bern bei einer Ablehnung der Steuersenkung für Unternehmen stark an Standortattraktivität verlieren würden. Und ein Unternehmen nach dem anderen abwandern würde. Es zeigt sich nun, dass dies nicht der Fall ist.»

Meister der Bremsen

Wabco wurde vor 150 Jahren als Westinghouse Air Brake Company gegründet und machte in der Fachwelt immer wieder mit Innovationen von sich reden. Der amerikanische Firmengründer George Westinghouse war unter anderem der Erfinder der Druckluftbremse, die bei Eisenbahnen und Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommt. 1981 brachte Wabco ein Antiblockiersystem für Nutzfahrzeuge auf den Markt, 1996 wurde das erste elektronische Bremssystem für Nutzfahrzeuge entwickelt.

Berner Zeitung