2019-04-16 15:35

«Sie haben mich noch nie am Morgen nach einem Spiel aufstehen sehen»

Der Meistercaptain Steve von Bergen spricht nach seinem zweiten Titel mit YB über den Rücktritt, seinen Ehrgeiz und sein Penaltytraining.

Der YB-Captain Steve von Bergen hat nach 230 Spielen und zwei Meistertiteln mit YB Mitte Woche seinen Rücktritt verkündet.

Der YB-Captain Steve von Bergen hat nach 230 Spielen und zwei Meistertiteln mit YB Mitte Woche seinen Rücktritt verkündet.

(Bild: Raphael Moser)

  • Moritz Marthaler

Wie viel haben Sie von Samstag auf Sonntag geschlafen?
Steve von Bergen: Es war genug. (schmunzelt) Ich denke, das hat man heute auch auf dem Platz gesehen. Es spricht für unsere Mentalität, haben wir es am Samstag nicht übertrieben. Wir haben uns vorgenommen, den Fans etwas zu bieten. Sie sind fantastisch.

Und in den Nächten davor, inwiefern hat Sie Ihre Entscheidung, Ende Saison aufzuhören, da um den Schlaf gebracht?
Vor zehn Tagen habe ich das für mich entschieden, und seither schlafe ich bestimmt ruhiger. Ich habe wochenlang darüber nachgedacht, jetzt bin ich froh, dass ich die restlichen Spiele auch geniessen kann.

Also haben Sie den Zeitpunkt bewusst so gewählt?
Ja. Ich will, dass die Leute über den Meistertitel reden und nicht mehr über mich.

Und was hat den Ausschlag für den Rücktritt gegeben?
Ich habe mein Verhältnis zum Fussball überdenkt. Es ist wunderbar, aber die Art, wie ich Fussball spielen will, fordert meinen Körper enorm heraus. Würde ich nur auf mein Herz hören, stünde ich in zehn Jahren noch auf dem Platz (lacht). Aber ich habe auch mit dem Kopf entschieden.

Jetzt kokettieren Sie. Sie zählen zu den besten Verteidigern der Liga, das ändert sich nächste Saison nicht einfach so.
Sie haben mich noch nie am Morgen nach einem Spiel aufstehen sehen. Das sieht nicht immer elegant aus. (lacht)

Aber Sie könnten problemlos weiter auf diesem Niveau spielen.
Es wäre aber nicht ehrlich von mir, ständig noch ein Jahr anzuhängen, um einfach im Team zu bleiben. Ich will hundertprozentigen Einsatz geben können, immer. Und das sehe ich in den nächsten Jahren schwieriger werden. Deswegen höre ich auf.

Ist es Ihr Ehrgeiz, bei YB keine andere Rolle einzunehmen als die des Captains, des Leaders?
Nein, das war nicht der Gedanke. Ich habe das ausführlich besprochen, mit allen Leuten im Verein, und ich habe gemerkt, wie wichtig es mir immer war, für YB alles geben zu können. Das könnte ich auch in einer anderen Funktion auf dem Feld machen.

Gibt es jetzt noch etwas, was Sie sich für die letzten Spiele in Ihrer Karriere wünschen?
Ich wünsche mir, dass sich diese Mannschaft weiter in den Geschichtsbüchern verewigt. Wir spielen eine ganz spezielle Saison, uns winken noch mehr Rekorde. Die besondere Mentalität, die wir uns aufgebaut haben, möchte ich noch für ein paar weitere Partien erleben.

Trainieren Sie jetzt jeden Tag Penaltys? Sie haben für YB noch kein Tor erzielt, und wer weiss....
...das ist überhaupt nicht nötig. (grinst) Wichtiger ist in dieser Hinsicht, dass Hoarau Torschützenkönig wird. Ob ich jetzt noch ein Tor schiesse für YB oder nicht, ist mir egal.

Wirklich?
OK, Gui hat schon angedeutet, dass er mir einen Penalty überlassen würde. Vielleicht sollte ich doch ein wenig üben, sofern ich dazu komme. (lächelt)

Und in sechs Wochen, wo sind Sie da?
In Neuenburg.

Nicht im Urlaub, den Sie zum ersten Mal seit Jahren verlängern könnten?
Nein, weil meine Tochter noch Schule hat. Aber geniessen kann ich die Zeit ja trotzdem.

Berner Zeitung