2019-07-11 22:33

Antenne bewilligt – Anwohner ziehen Entscheid weiter

Hilterfingen

Die Swisscom scheiterte 2012 mit einem Mobilfunkanlagenprojekt in Hilterfingen und nimmt nun einen neuen Anlauf. Die Anwohner wehren sich aber auch diesmal.

Auf diesem Technikgebäude der Swisscom sollen die beiden Antennen zu stehen kommen.

Auf diesem Technikgebäude der Swisscom sollen die beiden Antennen zu stehen kommen.

(Bild: Patric Spahni)

  • Janine Zürcher

Es war ein vermeintliches Happy End: «Aufstand der Kleinen von Erfolg gekrönt» titelte diese Zeitung im Februar 2012. Die Anwohner rund um die Alte Thunstrasse 8 in Hilterfingen hatten es fertiggebracht, mittels Einsprachen das Vorhaben der Telecomriesen Sunrise und Swisscom – den Bau einer 26 Meter hohen Mobilfunkantenne mitten im Quartier – zu stürzen.

Um den Widerstand zu organisieren, gründeten sie eigens den Quartierverein Hünegg-Brunnmätteli. 153 Einsprachen kamen zusammen. Während der Regierungsstatthalter das Bauvorhaben auf dem Grundstück der Swisscom, auf dem sich ein Technikgebäude befindet, damals bewilligte, gab die nächste Instanz, die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE), den Anwohnern recht. Die geplante Antenne konnte nicht gebaut werden.

90 Einsprachen

Doch nun geht der Kampf zwischen David und Goliath in die nächste Runde. Dieser Tage landete in den Briefkästen der Einsprecher ein Schreiben, das ihnen keine Freude gemacht haben dürfte: der Entscheid des Regierungsstatthalters Marc Fritschi. Dieser hat die neuen Mobilfunkantennen bewilligt, wie es auch in seiner gestrigen Pressemitteilung heisst.

Im letzten Herbst hatten Swisscom und Sunrise erneut ein Baugesuch für eine Mobilfunkanlage auf demselben Areal wie damals eingereicht, gegen das sich Anwohnerinnen und Anwohner erneut stark zur Wehr gesetzt haben: 90 Einsprachen gingen bis zum 22. Oktober des letzten Jahres beim Regierungsstatthalteramt ein. Daraufhin wurde das ursprüngliche Projekt angepasst, das eine ins Gebäude integrierte Mobilfunkanlage mit einer 5 Meter hohen Antenne auf dem Dach vorsah.

Nun sind zwei kleinere Masten geplant, die das Dach um weniger als drei Meter überragen werden, wie der Mitteilung zu entnehmen ist. «Die Bauvorschriften werden eingehalten, die erforderlichen Amts- und Fachberichte liegen vor, sodass Regierungsstatthalter Marc Fritschi den Bau bewilligen konnte», heisst es weiter.

Einsprecher ziehen weiter

«Für mich ist das in mehrfacher Hinsicht ein Schock», sagt Michael Grünert. Er ist Präsident des Quartiervereins Hünegg-Brunnmätteli. Einerseits, sagt Grünert, der aktuell im Ausland weilt, sei es sehr befremdend, dass der Entscheid des Regierungsstatthalters auf den ersten Tag der Sommerferien datiert sei. Ihm selbst bleibe die undankbare Aufgabe, rund 80 andere Einsprecher über den Entscheid zu informieren: «Ich muss alle von ihnen, inklusive Rechtsanwälte, in den Ferien ausfindig machen.» Dies, weil Regierungsstatthalter Fritschi entschied, «weitgehend identische Einsprachen» in eine Gruppe zusammenzufassen und nur noch mit einem Vertreter jener Gruppe zu kommunizieren – mit Michael Grünert. Weiter, sagt dieser, schockiere ihn, dass trotz breitem Widerstand ein solcher Entscheid gefallen sei.

«Wir sind nicht explizite Antennengegner.» Vielmehr gehe es den Einsprechern darum, einen sinnvollen Standort für die Anlage zu finden. Der aktuelle, so Grünert, würde für das Ortsbild eine untragbare Veränderung bedeuten. «Zudem hat Hilterfingen seit 2014 ein neues Baureglement», sagt Grünert. «Darin sind Gewerbezonen ausgewiesen, die für solche Bauten priorisiert werden sollen.» Er bezweifle, dass diese Alternativen ernsthaft von der Bauherrin geprüft worden seien. «Wirtschaftlich ist das sogar verständlich – schliesslich besitzt die Swisscom das Grundstück ja schon, auf dem sie bauen will.»

Trotzdem wollen Michael Grünert und die Einsprecher seiner Gruppe den Entscheid nicht akzeptieren. Sie werden ihn an die nächste Instanz – die BVE – weiterziehen, sagt Grünert.

Thuner Tagblatt