2019-04-26 21:02

Gewinnorientierte ORS ist zurück im Kanton Bern

Das kantonale Sozialamt hat am Freitag fünf Partner bestimmt, die das Asylwesen im Kanton Bern künftig managen sollen. Der Umbau hat klare Gewinner hervorgebracht.

Der Umbau im Berner Asylwesen bringt vier klare Gewinner hervor. Im Bild: Die Unterkunft Sandwürfi.

Der Umbau im Berner Asylwesen bringt vier klare Gewinner hervor. Im Bild: Die Unterkunft Sandwürfi.

(Bild: Raphael Moser)

Der Umbau im Berner Asylwesen bringt vier klare Gewinner hervor. Bei allen ist die Freude gross – und sie alle stehen vor einer gewaltigen Aufgabe: Sie müssen die Sache nun umsetzen. Die meisten benötigen dazu zusätzliches Personal.

Zu den Siegern gehört die ORS Service AG, ein Unternehmen, das in der Branche und Teilen der Politik umstritten ist. Das liegt vor allem daran, dass die ORS als einzige Bewerberin, die am Rennen um die Berner Asylmillionen teilgenommen hat, offen gewinnorientiert agiert.

Sie hatte nach der Schliessung der Notunterkünfte Ende 2017 kein Mandat mehr im Kanton Bern gehabt. Nun erhielt sie den Zuschlag für die Asylregion Emmental-Oberaargau, beworben hatte sie sich um sämtliche Regionen. Die Vergabe wurde von den ORS-Verantwortlichen dennoch positiv aufgenommen. «Wir sind zurück im Kanton Bern», freut sich Unternehmenssprecher Lutz Hahn.

ORS-CEO Jürg Rötheli hatte in einem Interview mit dieser Zeitung in Aussicht gestellt, dass man im Fall eines Zuschlags auch über die Übernahme von Personal diskutieren werde. Wie hoch der Personalbedarf der ORS nun konkret ist, lässt sich indes noch nicht sagen.

Das Rote Kreuz räumt ab

Die grosse Gewinnerin der Reorganisation ist das Schweizerische Rote Kreuz Kanton Bern (SRK). Es gewinnt gleich zwei Lose, Bern-Mittelland sowie Seeland-Berner Jura. «Wir fühlen unsere bisherige Arbeit honoriert», sagt Kommunikationsleiter Reto Mischler. Gleichzeitig zeigt er auch Mitgefühl für jene Organisationen, die nun leer ausgingen. «Wir wissen um die grosse Arbeit unserer Mitwettbewerbenden, mit denen wir über Jahre partnerschaftlich zusammengearbeitet haben.»

Mit diesen Partnern wolle das SRK auch in Zukunft zusammenarbeiten, sagt Mischler. Es sei denkbar, dass man einzelne Aufgaben – etwa die Unterbringung – weiterdelegiere. Auch werde man prüfen, ob man Mitarbeiter von anderen Organisationen übernehmen könne. Aktuell beschäftigt das SRK im Kanton Bern rund 120 Mitarbeitende im Bereich Migration. «Wir wissen, dass wir einen Mehrbedarf haben, wir können noch nicht final abschätzen, wie gross dieser sein wird», so Mischler.

Aufatmen in der Hauptstadt

Einen Erfolg verbuchte auch der etablierte Verein Asyl Berner Oberland (ABO). «Wir haben uns für die Weiterführung der Aufgabe beworben, weil wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen und das Beziehungsnetz, das wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, nicht gefährden wollten», sagt Peter Siegenthaler, ABO-Präsident und Thuner SP-Gemeinderat. «Bisher mussten wir im Verhältnis zur Bevölkerungszahl weniger Asylsuchende betreuen als die anderen Regionen. Das wird sich aber ändern.» Man brauche deshalb mehr Unterkünfte und wohl auch mehr Personal.

Aufatmen kann die Sozialdirektion der Stadt Bern. Sie hat den Zuschlag für die Hauptstadtregion erhalten, für die sie offensiv beim Kanton lobbyiert hatte. Sozialdirektorin Franziska Teuscher (Grünes Bündnis) sagt: «Offensichtlich hat unser Konzept auch den Kanton überzeugt.» Für die neue Aufgabe benötigt ebenfalls die Stadt mehr Personal. Woher dieses kommen soll, ist laut Teuscher Gegenstand der aktuellen Planung. Zeit dazu hat sie – wie die übrigen Gewinner – bis zum 1. Juli 2020. Dann soll der grösste Umbau der jüngeren Berner Asylhistorie abgeschlossen sein. (mi/qsc/cef/hae)