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Asyl-Entscheid ist da: Rotes Kreuz räumt ab – Heilsarmee verliert

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Der Richtungsentscheid im Berner Asylwesen ist gefallen. Die grosse Gewinnerin ist das Rote Kreuz. Der umstrittenen ORS gelingt die Rückkehr auf Berner Boden.

In der Sandwürfi in Köniz leitet heute die Heilsarmee die Kollektivunterkunft.

In der Sandwürfi in Köniz leitet heute die Heilsarmee die Kollektivunterkunft.

(Bild: Raphael Moser)

Seit Wochen hat man in den Berner Asylzentren dem heutigen Tag entgegengefiebert. Nun ist der Entscheid, wie das Asylwesen im Kanton Bern neu organisiert wird, da. Und für viele ist es alles andere als ein freudiger Tag.

Unterbringung, Integrationsförderung, Sozialhilfe – aktuell lagert der Kanton diese Aufgaben an dreizehn Partner aus. Mitte 2020 werden es noch maximal fünf sein – einer pro Region: Stadt Bern, Mittelland, Oberland, Seeland-Berner Jura, Oberaargau-Emmental. Das Auftragsvolumen der Neuausschreibung beträgt stolze 40 bis 50 Millionen pro Jahr. Heute Mittag gab die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) des Kantons Bern bekannt, wer diese fünf Partner sind.

Heilsarmee geht leer aus

Der Auftrag für die Stadt Bern und die fünf umliegenden Gemeinden Köniz, Muri, Ostermundigen, Ittigen und Bremgarten geht ans städtische Kompetenzzentrum Integration. Im Vorfeld hatte die Stadtregierung bei der GEF stark dafür lobbyiert, dass seine Verwaltung den Zuschlag erhält.

Keine Überraschung gibt es auch im südlichen Teil des Kantons. Dort bekommt die lokal verankerte Organisation Asyl Berner Oberland (ABO) den Auftrag. Sie wurde im November 2016 durch die regionalen und kommunalen Sozialdienste des Oberlands gegründet.

Das Seeland unterliegt neu dem Schweizerischen Roten Kreuz Kanton Bern. Besonders hart trifft dieser Entscheid die lokale Organisation Asyl Biel & Region (ABR), die rund 120 Mitarbeitende beschäftigt. Sie bewarben sich lediglich für den Auftrag in ihrer Region und gehen nun komplett leer aus.

Auch die Region Bern Mittelland geht ans SRK. Sie ist damit die grosse Gewinnerin der Ausschreibung.

In der Branche befürchtete man, dass das private Unternehmen ORS die grosse Abräumerin des Wettbewerbs werden könnte. Die ORS, das Schwergewicht unter den Schweizer Asyldienstleistern, hat nun allerdings einzig einen Auftrag erhalten. Sie wird neu für die Region Oberaargau-Emmental verantwortlich sein.

Damit ist klar, wer die 'Verlierer der Neuorganisation sind: die Heilsarmee und die Caritas. Beide haben sich für alle fünf Regionen beworben, konnten aber keine einzige davon an Land ziehen. Sie stehen vor einer Massenentlassung.

Der grosse Verdrängungskampf

Das Verfahren beschäftigte die Branche seit Monaten. Im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibungen mussten sich die Organisationen für die fünf Lose bewerben. Innerhalb der Branche brach ein Konkurrenzkampf aus. Wer bewirbt sich? Und wo? Einige der Akteure hielten sich lange bedeckt, andere suchten die Öffentlichkeit und warben aktiv mit ihren Plänen.

Die «Neustrukturierung des Asyl- und Flüchtlingsbereichs im Kanton Bern» (Nabe) ist Teil eines grösseren Ganzen: Am 25. April 2018 genehmigte der Bundesrat die Integrationsagenda Schweiz; Nabe ist Berns Antwort darauf. Die Agenda schreibt den Kantonen vor, die Integration von Asylsuchenden und vorläufig Aufgenommenen zu forcieren. Im Gegenzug erhöht die Eidgenossenschaft die finanziellen Mittel für die Integrationsförderung von heute 6000 auf 18000 Franken pro Kopf. Das Geld ist an klare Auflagen geknüpft. Ziel ist eine deutlich verbesserte Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, die Abhängigkeit von der Sozialhilfe soll reduziert werden.

Im Nabe-Detailkonzept schreibt der Kanton unter anderem, dass die Erwerbsquote von Schutzsuchenden vier Jahre nach dem Start des neuen Systems um mindestens 5 Prozentpunkte erhöht werden soll. Der Kanton regelt im Zuge der Reorganisation auch die Unterbringung, Integrationsmassnahmen wie Sprachkurse und Arbeitsprogramme neu.

Berner Zeitung