2019-06-20 17:01

Reitschule wirft der Polizei unnötige Gewalt vor

Bern

Die Reitschule veröffentlichte ein Video, das einen Zivilpolizisten zeigt, der bei einer Festnahme ziemlich unzimperlich vorgeht. Die Polizei verurteilt die selektive Darstellung des Videos.

Die Sequenzen des Reitschule-Videos wurde von der Videoredaktion dieser Zeitung leicht bearbeitet. So wurden zusätzlich zur eingesandten Version auch die Gesichter der Polizeibeamten verpixelt, ausserdem wurden die Szenen mit den Tätlichkeiten zusätzlich verlangsamt.

Festnahmen rund um die Reitschule verlaufen in den seltensten Fällen reibungslos. Das haben am Wochenende publik gewordene interne Polizeiberichte aus den letzten zwei Jahren einmal mehr gezeigt. Von «Reitschule-Aktivisten», aber auch von Gästen ist die Rede, welche die Polizeibeamten regelmässig an ihrer Arbeit hinderten.

Nun ist ein Video aufgetaucht, das zeigt, dass auch gewisse Polizisten rund um die Reitschule mit harten Bandagen vorgehen. Zwei Sequenzen sind es, welche die Mediengruppe der Reitschule am Donnerstag veröffentlichte. Darauf ist zu sehen, wie eine Gruppe Zivilpolizisten im Innenhof des autonomen Kulturzentrums einen jungen Mann in Handschellen abführt. Unvermittelt rammt ein Polizeibeamte dem Festgenommenen sein Knie in den Bauch.

Auf einer weiteren Aufnahme ist der Rückzug der Polizei aus einem anderen Blickwinkel gefilmt. Hier ist zu sehen, wie sich offenbar ein Gast durch die Menge drängt und zwei Zivilpolizisten leicht zur Seite drückt. Daraufhin schubst derselbe Beamte den jungen Mann heftig, so dass dieser zu Boden fällt. Das Ganze passierte am Donnerstag vor einer Woche.

Die Reitschule zeigt sich «einmal mehr entsetzt über das Verhalten der Kantonspolizei». Es seien «zwei klare Fälle von Polizeigewalt». Auch hätten zuvor mehrere Polizisten grossflächig Pfefferspray versprüht, etwa 20 Personen seien davon getroffen worden. Jene Schilderungen sind auf den kurzen Videoauschnitten jedoch nicht zu sehen.

Offenbar ist der stämmige Polizist, der in den beiden Fällen zulangte, den Betreibern der Reitschule bestens bekannt. Sie nennen im Schreiben seine Initialen. Dieser sei bei Einsätzen in und um die Reitschule schon mehrere Male wegen «unprofessionellen Verhaltens» aufgefallen.

Beschimpfungen und Flaschenwürfe

Die Polizei bestätigt den Einsatz zwar, übt aber Kritik an den kurzen Videosequenzen. Diese seien aus dem Kontext gerissen und würden lediglich einen kleinen Ausschnitt der Ereignisse wiedergeben, hält die Medienstelle der Kantonspolizei Bern auf Anfrage fest.

Wie so oft unterscheidet sich ihre Sichtweise diametral von jener der Mediengruppe der Reitschule. Im Rahmen einer gezielten Aktion gegen den Drogenhandel sei die Polizei an jenem Abend im Raum Schützenmatte zugegen gewesen. Als die Beamten «eindeutigen Drogenhandel» festgestellt hatten, schritten sie ein. Die Bilanz: Sechs Männer landeten auf der Polizeiwache. Total gab es elf Anzeigen, davon sechs wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Eine Person wurde vorläufig festgenommen und der Staatsanwaltschaft zugeführt. Eine weitere war polizeilich ausgeschrieben.

Weil zwei Personen in den Innenhof flüchteten, sei man diesen gefolgt. Dort seien die Beamten von rund zwei Dutzend Anwesenden zuerst verbal, dann tätlich angegriffen worden, so etwa mit Flaschenwürfen. Der junge Mann, der auf dem Video in Handschellen abgeführt wird, hatte sich gemäss Polizei zuvor «massiv der Kontrolle widersetzt». Die Kapo zeigt ihn an wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte, Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Hinderung einer Amtshandlung. Der zweiten verdächtigen Person sei wegen des Widerstandes der dort Anwesenden die Flucht gelungen.

Den Kniestoss und die Handgreiflichkeiten des einen Polizisten will die Kantonspolizei nicht kommentieren. Dies vor dem Hintergrund, dass die Videoschnipsel «weder die Begleitumstände noch die Situation der Ereignisse vor Ort widerspiegeln».

Berner Zeitung