2014-07-30 07:03

Für wie viele Kinder «fägt» es künftig noch?

Bern

Chorsingen, Englisch, Kung-Fu oder Ponypflege: Das «Fäger»-Angebot für Kinder ist gross. Ab nächstem Jahr sollen Regionsgemeinden der Stadt Bern deutlich mehr an den «Fäger» bezahlen. Bereits gibt es deshalb erste Aussteiger.

Wie geht es weiter? Weil die Stadt Bern von den Regionsgemeinden für den «Fäger» (Archivbild vom Jubiläumsfest) höhere Beiträge will, wird mancherorts ein Ausstieg zum Thema.

Wie geht es weiter? Weil die Stadt Bern von den Regionsgemeinden für den «Fäger» (Archivbild vom Jubiläumsfest) höhere Beiträge will, wird mancherorts ein Ausstieg zum Thema.

(Bild: Susanne Keller)

  • Lucia Probst

    Lucia Probst

Ponys lassen die Kinderherzen besonders hoch schlagen. Praktisch alle Kurse rund um die kleinen Pferde sind im aktuellen «Fäger»-Programm ausgebucht. Doch in «Fäger»-Kursen lässt sich auch ganz anderes tun: Singen, klettern, boxen, kochen, Englisch lernen – die Palette der Angebote, von denen Schulkinder in den Ferien Gebrauch machen können, ist breit. 34 Gemeinden vom kleinen Iffwil bis zum grossen Köniz und der Stadt Bern tragen bis jetzt die Ferien- und Freizeitaktion finanziell mit. Doch jetzt gibt es erste Austritte: Worb gab vor kurzem bekannt, dass man ab 2015 nichts mehr an den «Fäger» bezahlt. Der Hintergrund: Spardruck.

Weil sie sparen muss, will die Stadt Bern ab nächstem Jahr von den Regionsgemeinden als Beitrag an den «Fäger» neu 7 statt bisher 3 Franken pro Schulkind verlangen. So sollen die Kosten für Personal und Administration ausgeglichener verteilt sein, wie Scarlett Niklaus vom Stadtberner Jugendamt sagt. Doch: Auch die Gemeinden spüren den Spardruck. Worb begründet seinen Austritt aus dem «Fäger» mit der angespannten Finanzlage.

Stadt zahlt weiterhin mehr

233'000 Franken zahlte die Stadt Bern in den letzten Jahren durchschnittlich an den «Fäger». Aus den andern 33 Gemeinden flossen rund 52000 Franken in die «Fäger»-Kasse, wie Niklaus ausführt. Neu würde Bern noch rund 165000 Franken bezahlen, 120000 Franken entfielen auf die Regionsgemeinden. Pro Kind zahle Bern so mit rund 16 Franken immer noch weit mehr, sagt Niklaus.

Wird das Worber Beispiel trotzdem Schule machen? Nebst Worb hat bis jetzt auch Schüpfen dem «Fäger» eine Absage erteilt. Zusagen gibt es für 2015 aus Urtenen-Schönbühl und Hindelbank. Bis Ende September haben die Gemeinden Zeit, sich zu entscheiden. Mancherorts wird der «Fäger»-Beitrag im Budgetprozess für Debatten sorgen.

Auch Muri überlegt Austritt

«Es ist auch bei uns ein Thema auszusteigen», sagt Andreas Friderich, Leiter der Schulverwaltung von Muri. Man prüfe derzeit Alternativen – sprich: ob das gemeindeeigene Freizeitangebot ausgebaut werden könnte. Denn beliebt sind die «Fäger»-Kurse in Muri-Gümligen: 180 Kinder nahmen letztes Jahr an solchen teil. «Das bewog uns dazu, nicht sofort auszusteigen», sagt Friderich. Doch der Spardruck sei derzeit hoch und der Aufschlag happig. Neu kostet die Ferien- und Freizeitaktion Muri 7400 statt bisher rund 3000 Franken. Für 2015 ist der Beitrag laut Friderich im Budget enthalten, doch ist dieses noch nicht abgesegnet.

Unter Spardruck steht auch Ostermundigen. Der Preisaufschlag des «Fägers» sei noch überhaupt nicht diskutiert worden, heisst es seitens der Gemeinde. Man wolle zuerst mehr Informationen zusammenstellen, um nach den Sommerferien zu entscheiden, wie es weitergehen soll.

Beitrag gestrichen

«Wir haben den Beitrag für 2015 nicht mehr im Budget», sagt der für Freizeit zuständige Münchenbuchser Gemeinderat Andreas Luginbühl (SVP). Er wäre auch ohne Erhöhung für die nächsten Jahre rausgefallen, weil der Spardruck in der Gemeinde so gross sei.

Die Gemeinde strich den Beitrag bereits für dieses Jahr, doch dann sprang der Gemeinnützige Frauenverein ein. Bis jetzt habe man kein Signal, dass dieser weiterhin zahle, sagt Luginbühl. «Und wir gehen nicht bei den Vereinen betteln.»

«Der ‹Fäger› ist sicher anerkannt», sagt Zollikofens Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP). Trotzdem stellt auch er in Aussicht, dass man im Budgetprozess über die Beiträge diskutieren wird. «Wir spüren allerdings auch das Bedürfnis nach Betreuungsangeboten.» So habe der Gemeinderat vom Parlament den Auftrag erhalten, während der Schulferien eine Betreuungsmöglichkeit zu bieten. «Auch in diesem Kontext werden wir das ‹Fäger›-Angebot anschauen.»

Kontakt aufnehmen

«Wir können das Angebot nur aufrechterhalten, wenn man es gemeinsam trägt», sagt Scarlett Niklaus. Man sei mit den Gemeinden im Dialog. Viele wollen vor allem wissen, wie viele Kinder aus ihrem Ort die Angebote nutzen, um so beurteilen zu können, ob sich die Beiträge rechtfertigen, oder ob man damit vor allem andere mitsubventioniert.

Nach den Ferien wollen die «Fäger»-Verantwortlichen mit den Gemeinden nochmals Kontakt aufnehmen. «Ich weiss um den Spardruck», sagt Scarlett Niklaus. Doch sei der «Fäger» vielerorts stark verankert und werde geschätzt. «Ich bin zuversichtlich, denn ein gutes Angebot für Kinder und Familien ist vielen Gemeinden wichtig.»

Berner Zeitung