2018-11-24 10:44

Das Marzili ist eine Baustelle

Stadt Bern

Nächsten Sommer gibt es im «Buebeseeli» im Marzilibad ein strömungsarmes Landebecken für Schwimmer. Den Zufluss haben die Bagger bereits gegraben.

Ungewöhnlicher Anblick: Baumaschinen im Marzili.

Ungewöhnlicher Anblick: Baumaschinen im Marzili.

(Bild: Raphael Moser)

  • Esther Diener-Morscher

Drei Meter tief ist der neue ­Kanal, den die Bagger im Marzilibad ausgehoben haben. Er zweigt kurz vor der letzten grossen ­Ausstiegstreppe von der Aare ab. Wenn ihn die Bauarbeiter nächsten Frühling fluten, wird er die Aareschwimmer unter einer ­kleinen Brücke hindurch direkt ins «Buebeseeli» führen. Dort können sie bequem landen, ohne dass sie die Strömung wegtreibt oder sie sich an Steinen die ­Beine anschlagen.

Zumindest ist das auf den ­Plänen für den Umbau so vorgesehen. Im sanierten Seeli sollte die Strömung so gering sein, dass künftig auch Schwimmer, die Angst vor der Aare haben, ohne Stress im Aarewasser ­treiben können.

Neue Aussteigestelle

Ob das klappt mit der Abzweigung in den Schwimmkanal und dem Landen an der neuen Treppe im «Bueber»? «Es muss», sagt der Stadtbaumeister Thomas Pfluger. Den Kanal haben die Baufachleute nicht nach eigenem Gutdünken geplant. «Wir haben die Verhältnisse von Strömungsspezialisten berechnen und simulieren lassen», erklärt ­Projektleiter Thomas Kaspar ­direkt auf der Baustelle gegenüber dieser Zeitung. 

«Hätten die Biber nicht zügeln wollen, hätten wir nicht mit Bauen beginnen können.»Thomas PflugerStadtbaumeister

Haben die Spezialisten ­richtig gerechnet, könnte der Schwimmkanal ab nächstem Sommer zur Hauptaussteigestelle werden. Zwar bleiben sämtliche bisherigen Ausstiege bestehen. Doch das sanierte Seebecken wird ­vermutlich nicht nur wegen der geringen Strömung ein idealer Ausstieg sein.

Boote sind verboten

Im «Bueber» werden auch ­keine Gummiboote den Schwimmern den Landeplatz streitig machen. Die Einfahrt in den Schwimmkanal ist für Boote verboten. Trotzdem werden auch die Böötler nächsten Sommer vom Umbau profitieren. Zwischen dem Gebäude des Pontonier­vereins und der Dalmazibrücke wird die bisherige Auswasserungsstelle vergrössert und ­sollte der zunehmenden Zahl der ­Gummiboot-Kapitäne, die im Marzili an Land gehen, künftig besser gerecht werden.

«Wir haben die Verhältnisse von Strömungsspezialisten berechnen und simulieren lassen.»Thomas KasparProjektleiter

Derzeit ist das Marzili eine grosse Baustelle. Der «Bueber» ist trockengelegt. Laute Maschinen treiben mit Vibrations­wellen neun Meter hohe Spundwände in den Grund. Nötig geworden ist die 5,8 Millionen Franken ­teure Sanierung, weil die Steganlage so baufällig geworden ist, dass die Stadt den ganzen ­Seebereich vor drei Jahren notfallmässig gesperrt hat. Zudem war die Wasserqualität schlecht und das Becken anfällig für Schlamm- und Sandablagerungen. In der Folge entschied sich der Gemeinderat für eine umfassende Sanierung des «Bueber».

Zwischengelagertes Schilf

Die Beton- und Eternitplatten der alten Steganlage sind bereits weg. Sie werden – ähnlich wie die bestehenden Garderoben aus Holz neu aufgebaut. Doch einen anderen Teil des Sees haben die Bauleute bis zu dessen Wiederverwendung sorgfältig zwischengelagert. Im hinteren Teil der Baustelle liegen schilf­bewachsene Erdschollen fein säuberlich nebeneinander. «Das ist geschützte Ufervegetation», erklärt Thomas Pfluger. Die Schollen stammen von dem ­Inseli, das sich im allmählich verlandenden See in den letzten drei Jahren gebildet hat. Die Bauarbeiter haben sie abgetragen und werden sie dann im nächsten Frühling ans Ufer des frisch sanierten Sees zurückverpflanzen.

Ein Schutz bei Hochwasser

Die neue Abschlusswand des Sees mit dem Holzsteg dient künftig nicht nur den Marzili­gästen zum Sonnenbaden, ­sondern ist gleichzeitig auch ein Teil des neuen Hochwasserschutzes fürs Quartier. Deshalb erhält der neue Schwimmkanal ein Schleusentor, das bei Hochwasser geschlossen wird. Die «Buebeseeli»-Sanierung ist auch bereits auf den geplanten Gesamtumbau des Bades ausgerichtet (siehe Kasten). Sollte die Stadt beschliessen, den ­alten Aarelauf wieder zu öffnen, könnte das Seeli, das früher Teil dieses Seitenarms war, einfach erweitert werden, wie Thomas Pfluger erklärt.

Mit Äpfeln die Biber gelockt

Projektleiter Thomas Kaspar ist zuversichtlich, dass die Bauarbeiten planmässig nächsten Mai fertig werden. Eine Biberfamilie, die sich während der dreijährigen Sperrung des «Buebeseeli» dort niedergelassen hatte, hätte die Terminpläne der Bauherren über den Haufen werfen können. Biber sind geschützt. Deshalb mussten die Bauarbeiter die Tiere in ein neues Zuhause locken. «Hätten die Biber nicht zügeln wollen, hätten wir nicht mit Bauen beginnen können», sagt Thomas Pfluger. Kameraaufnahmen zeigten aber, dass der Umzug der Nagetiere geglückt ist. 

Berner Zeitung