2019-04-15 08:23

Drohnen helfen bei der Rettung von Rehkitzen

Wald

Unzählige Rehkitze kommen durch Mähmaschinen ums Leben. Seit wenigen Jahren werden die jungen Rehe dank Drohnen gerettet. Der Verein Naturpark Gantrisch organisierte eine Info-Veranstaltung.

Im Einsatz für die Rehkitze: Landwirte Hans Staub und Verena Wenger, Drohnenpilot Emanuel Kipfer, Andreas Wyss vom Berner Bauernverband und Landwirt Roman Straub (von links).

Im Einsatz für die Rehkitze: Landwirte Hans Staub und Verena Wenger, Drohnenpilot Emanuel Kipfer, Andreas Wyss vom Berner Bauernverband und Landwirt Roman Straub (von links).

(Bild: Iris Andermatt)

  • Nina-Lou Frey

An Holztischen sitzen ungefähr vierzig Leute. Ob Jäger, Landwirt oder Drohnenpilot, allen liegen Rehkitze am Herzen. Deshalb sind sie nach Englisberg in der Gemeinde Wald gekommen, um mehr über deren Rettung mit der Drohne zu erfahren. Hinter der Veranstaltung steht der Verein Naturpark Gantrisch. «Wir wollen uns nicht in die Rettung einmischen», sagt Lea Jost vom Verein zu Beginn, «sondern Leute zusammenbringen, um Erfahrungen auszutauschen.»

Verena Wenger und Hans Staub hören aufmerksam zu. Staub arbeitet seit fast dreissig Jahren als Landwirt. Er kennt die Situation, wenn ein junges Reh unter die Mähmaschine kommt. Vor vielen Jahren hat der Bauer dies einmal erleben müssen. «Das war sehr schlimm», so der Tierliebhaber. Ein Jäger kam zwar am Vorabend vorbei und verblendete das Feld. Das heisst, er stellte Scheuchen auf, um das Rehkitz zu vertreiben. Doch das junge Tier blieb im Gras liegen.

Neben dem Verblenden zählt auch das sogenannte Verwittern, das verbreiten von unangenehmem Duft, und das Absuchen des Feldes mit einem Hund zu den klassischen Methoden. «Auch wenn das ein Jäger gemacht hatte, plagte mich beim Mähen ein ungutes Gefühl», sagt Staub. Wenn das Land vorher von einer Drohne überflogen und abgesucht werde, sei dies anders.

Da sein Schwiegersohn, Emanuel Kipfer, ein passionierter Drohnenflieger und -experte ist, werden Staubs Felder vor dem Mähen heute immer überflogen. «Das ist viel effizienter und sicherer», so der Bauer. Auch Experten bestätigen, dass die Rehkitzrettung mit Drohne zu den sichersten Methoden gehört.

Eine Herzensarbeit

Anhand einer Wärmebildkamera erkennt der Drohnenpilot, wo auf dem Feld ein junges Reh liegt. Dann geht eine zweite Person dorthin. Entweder legt diese eine Harasse über das Reh und markiert das Feld, oder sie trägt das Kitz mit Grasbüscheln, sodass es keinen fremden Geruch annimmt, an den Waldrand.

Dafür muss Emanuel Kipfer um 4 Uhr los. «Es ist eine Herzensarbeit», so der Drohnenpilot. «Wer einmal ein Kitz gesehen hat, ist fasziniert von diesem Tier.» Letztes Jahr überflog er fast sechzig Felder. Geld bekommt er dafür quasi keines. Einen symbolischen Batzen, der über Spenden finanziert ist, gibt es vom Verein Rehkitzrettung. Auch die jeweils regionsverantwortlichen Männer und Frauen der Jagdvereine, sogenannte Hegeobmänner, machen die Rehkitzrettung ehrenamtlich.

Hans Staub erzählt, dass sich das Retten mit der Drohne im Gantrischgebiet herumgesprochen habe. «Nachbarn fragen mich, ob Emanuel ihre Felder abfliegen könne.» Im ganzen Kanton Bern sind über 10 Drohnenflieger unterwegs, 60 weitere werden dieses Jahr ausgebildet.

Methode noch nicht etabliert

«Es ist nur ein kleiner Teil der Felder, der mit Drohnen überflogen wird», sagt Andreas Wyss, Geschäftsführer vom Berner Bauernverband. «Die Drohne ist nicht die Lösung für das Problem, nur eine weitere Möglichkeit.» Für den Bauern sei es schliesslich zweitrangig, welche Methode zum Einsatz kommt. «Hauptsache ist, dass kein Rehkitz im Gras liegt, wenn er mäht», so Wyss. Denn der Bauer trägt die Verantwortung, frühzeitig zu melden, wann er mähen will. So kann dann der Hegeobmann die Massnahmen zum Schutz der Rehkitze umsetzten.

«Es ist für den Bauern herausfordernd, das alles einzuplanen», weiss Andreas Wyss. Je nach Witterung muss kurzfristig gemäht werden. Er merke aber, dass alle Betroffenen, speziell die Bauern, ein grosses Interesse an der Rehkitzrettung hätten und Kompromisse gefunden würden.