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Der EWB-Hauptsitz soll höher als das Münster werden

EWB und BLS wollen in Ausserholligen für rund 300 Millionen Franken vier Neubauten realisieren und den Bahnhof Stöckacker verschieben. Der EWB-Hauptsitz soll 110 Meter hoch werden.

Neben dem geplanten Fachhochschulcampus (rechts der Bahngleise) sollen vier Neubauten entstehen, drei davon Hochhäuser.
Neben dem geplanten Fachhochschulcampus (rechts der Bahngleise) sollen vier Neubauten entstehen, drei davon Hochhäuser.
PD

Nirgends wird die Stadt Bern in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren ihr Gesicht so drastisch verändern wie auf der Westachse Holligen-Ausserholligen-Weyermannshaus – nicht im Viererfeld, nicht auf dem Gaswerkareal. Einzelne Projekte sind bereits im Bau, etwa im Warmbächli oder im Gangloff.

Bei anderen wie dem Campus für die Fachhochschule (BFH), der Erneuerung der Freizeit- und Sportanlage Weyerli oder der Siedlung Weyer-West mit 800 neuen Wohnungen sind die Planungen weit fortgeschritten. Am Montag wurde nun eine Arealentwicklung präsentiert, die praktisch alle diese Projekte positiv beeinflussen soll: «Ein neues Zentrum im Westen von Bern», wie es die beiden Grundeigentümerinnen EWB und BLS nennen.

Das Areal, das zum grösseren Teil EWB und zum kleineren der BLS gehört, wird vom Autobahnviadukt zweigeteilt, der vom Bremgartenwald im Norden über den Europaplatz zum Könizbergwald im Süden verläuft. Heute ist das Gelände eingezäunt, genutzt wird es von EWB und BLS vorwiegend gewerblich.

Darauf sind vier Neubauten geplant, westlich der Autobahn laut EWB-Chef Daniel Schafer ein «dreiteiliger Hochhauscluster». Der «Nordturm» könnte dabei bis zu 110 Meter in die Höhe ragen, die beiden Hochhäuser daneben rund 90 beziehungsweise 60 Meter. Der Bau östlich der Autobahn soll rund 30 Meter hoch werden.

«Für Hochhäuser geeignet»

Von einem «Cleantech-Tower», über den diese Zeitung vor fünf Jahren berichtete, sprach Schafer am Montag nicht mehr. Doch vielleicht will EWB bloss das Projekt ohne dieses Label weiterführen oder sich nicht zu viele Zertifizierungen aufhalsen, die den Namen erst rechtfertigen würden.

«Wir sind es uns und der Stadt schuldig, dass der Bau betreffend Nachhaltigkeit vorbildlich sein wird.»

Daniel Schafer, CEO EWB

Jedenfalls sei klar, dass der künftige EWB-Hauptsitz «Vorbildcharakter betreffend Nachhaltigkeit haben soll», so Schafer. «Das sind wir als Energieunternehmen uns und der Stadt schuldig. Und das verlangt auch unser Verwaltungsrat.»

Schafer und Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) betonten, dass der Standort neben der Autobahn für Hochhäuser gut geeignet sei. Eine Testplanung sowie Vertiefungsstudien hätten gezeigt, dass die skizzierten Volumen quartierverträglich seien. Zwar galt es bisher als ungeschriebenes Gesetz, dass in der Region kein Bau das 100 Meter hohe Berner Münster überragen soll.

Fünf Kilometer vom Münster entfernt tangiere ein Ausserholliger 110-Meter-Turm die Altstadtsilhouette nicht, sagte von Graffenried, der davon ausgeht, dass die Bevölkerung nichts gegen das geplante Hochhaus haben wird. «Zudem sind wir hier am Tor zu Bümpliz, schweizweit der Stadtteil mit den meisten Hochhäusern.»

Nutzen wird EWB nur einen Teil des Hochhauses – den unteren, um mit den Büroarbeitsplätzen nahe am Werkstattgebäude und am Unterwerk zu sein, die auf dem Areal stehen bleiben sollen. Während in den beiden kleineren Türmen vornehmlich gewohnt werden soll, ist der 110-Meter-Bau ausschliesslich für Büro- und Gewerbenutzungen vorgesehen. Er befürchte nicht, dass Bürofläche entstehe, die niemand nachfrage, sagte Stadtpräsident von Graffenried.

«Partnerschaftliche Planung» in Ausserholligen: Stadtpräsident Alec von Graffenried (links), EWB-Chef Daniel Schafer und Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur BLS. Bild: Adrian Moser
«Partnerschaftliche Planung» in Ausserholligen: Stadtpräsident Alec von Graffenried (links), EWB-Chef Daniel Schafer und Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur BLS. Bild: Adrian Moser

Nord-Süd-Unterführung

In den Neubauten sollen dereinst «attraktive Sockelgeschosse» mit gemischten Nutzungen für viel Publikumsverkehr sorgen und gleichzeitig die Innen- mit den Aussenräumen verbinden. Auf dem EWB/BLS-Areal sollen «Werken, Denken und öffentliche Dienstleistungen» 75 Prozent der Nutzung ausmachen, Wohnen 25 Prozent. Damit wollen die Grundeigentümerinnen erreichen, dass der neue «Quartierbaustein», wie sie es nennen, Tag und Nacht leben wird.

Begünstigt werden soll dies alles – Belebung, Verbindung von innen und aussen sowie von Wohnen und Arbeiten – durch die Öffnung des Areals, die sehr viel mehr als das Entfernen des heutigen Zauns umfasst. So ist ein spektakulärer Bestandteil des Projekts, dass der Bahnhof Stöckacker 400 Meter ostwärts verschoben werden soll (siehe Info-Box).

Ebenfalls ein Quantensprung für den ganzen Entwicklungsschwerpunkt – und vor allem dessen Nord-Süd-Verbindung – dürfte die neue Unterführung für den Langsamverkehr werden. Sie soll unterhalb des Autobahnviadukts verlaufen und vom Europaplatz her die Bahnstrecke Richtung Neuenburg unterqueren.

Damit wäre sie quasi die Verlängerung der Unterführung unter den SBB-Gleisen – und soll wie diese so gestaltet werden, dass offen durch sie hindurchgeschaut werden kann. Sie ersetzt die «Planungsleiche» einer Langsamverkehr-Passerelle, die an dieser Stelle jahrelang vorgesehen war.

Als Nächstes wird in diesem Frühling ein zweistufiger Studienauftrag ausgeschrieben, in dessen erster Phase die städtebauliche und architektonische Gestaltung des Gesamtareals festgelegt werden soll. Weil das Areal umgezont werden muss, erarbeitet die Stadt parallel eine Überbauungsordnung, über die in zwei Jahren abgestimmt werden soll.

Ein grosses Augenmerk wurde auf Grünflächen gelegt (klicken zum Vergrössern).

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