2014-02-10 07:05

Auf der Velotour kam die erlösende SMS

Köniz

Die Bevölkerung sagt mit 61 Prozent Ja zum Bike-Park im Oberried. Thömus-Gründer Thomas Binggeli gibt zu, dass er ein wenig Angst hatte vor der Entscheidung. Auf einer Velotour kam die erlösende Nachricht.

Um den Kopf zu leeren, stieg er gestern aufs Bike: Thömus-Gründer Thomas Binggeli 2011 auf der bestehenden Teststrecke im Oberried.

Um den Kopf zu leeren, stieg er gestern aufs Bike: Thömus-Gründer Thomas Binggeli 2011 auf der bestehenden Teststrecke im Oberried.

(Bild: Andreas Blatter)

Wenn Thömus-Gründer Thomas Binggeli einen freien Kopf braucht, steigt er aufs Bike. Die besten Ideen kommen ihm im Sattel, nicht auf dem Bürostuhl, pflegt er zu sagen. Am Sonntag fuhr der 40-Jährige eine lange Tour. Über den Gurten, den Ulmizberg, den Längenberg und schliesslich nach Oberried. «Ein wenig Angst hatte ich schon vor der Entscheidung», sagt Thomas Binggeli.

Es stand viel auf dem Spiel für sein Unternehmen. Die Könizer Bevölkerung stimmte am Sonntag darüber ab, ob der Betrieb im Oberried legalisiert werden soll. Dieser war auf das Vielfache des Erlaubten angewachsen. Mit einem zusätzlichen Bike-Park ist es möglich, mitten in der Landwirtschaftszone eine Lösung für den Veloshop zu schaffen.

61 Prozent stimmten zu

Bei einem Nein, das hatte Binggeli schon vor der Abstimmung gesagt, hätte er keinen Plan B gehabt. Die Marke lebe stark von ihrem Image. «Im Oberried spielt jene Geschichte, die uns bekannt macht», sagt Binggeli. «Ich weiss nicht, ob ich die Energie gehabt hätte, den Betrieb an einem anderen Ort neu aufzubauen.» Trotzdem sei er auf dem Bike relativ ruhig gewesen. «Ich habe die Kulisse genossen.» Bis zur erlösenden SMS: 61 Prozent der Könizer haben der Vorlage zugestimmt.

Sedlmayer rechnete mit Ja

Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP) ist froh über das Resultat. Sie hat mit 55 bis 60 Prozent Ja-Stimmen gerechnet. Sedlmayer hat das Dossier Thömus an die Hand genommen, als sie 2006 in den Gemeinderat gewählt wurde. «Es war ein langer und intensiver Prozess. Ich freue mich, dass wir ihn erfolgreich abschliessen können.»

Sie nennt einige Gründe für das Ja. Viele Bedenken aus der Mitwirkung wurden aufgenommen. Die Vorlage definiere nun klare Regeln und biete Rechtssicherheit. Und ja, auch die Sympathien gegenüber der Marke Thömus spiegle sich im Resultat wieder. «Es ging ja nicht nur um die Planung, sondern auch um das Überleben der Marke und den Erhalt der 40 Arbeitsplätze.»

Die Fangemeinde der Firma habe sicher zum Ja beigetragen, denkt Thomas Binggeli. Allerdings gebe es auch viele Neider. «Wenn man an der Sonne steht, dann gibt es auch einen Schatten.» Kurz vor der Abstimmung meldeten sich die Gegner noch einmal lautstark zu Wort. «Dies», sagt Binggeli, «hat die Zustimmung eher verstärkt, glaube ich.»

Feiern mit Spaghetti

Dass er im Abstimmungskampf Sympathien verloren hat, glaubt er nicht. Noch nie habe er so viele wohlwollende Anrufe erhalten wie in den letzten Wochen. «Auf der Velotour wurde ich etwa 15-mal angehalten. Menschen, die ich zum Teil nicht kannte, wollten mir Glück wünschen.»

Der Thömus-Gründer hat gestern Abend zu sich eingeladen. Für die Familie und engere Freunde kochte Binggeli Spaghetti, um das Resultat zu feiern. Vielleicht, sagte er gestern, seien auch die Nachbarn dabei. Auch wenn einige kritisch eingestellt waren, habe man sich immer zusammen an den Tisch setzen und diskutieren können. Das werde er auch jetzt tun, nach dem Ja. «Wir müssen zuerst mit den Kritikern eine gute Lösung finden», sagt Thomas Binggeli. «Dann passen wir die Geschäftsstrategie an: Wir werden den Velos und den Qualitätsansprüchen mehr Gewicht geben.»

Resultat: 8958 Ja (60,6 Prozent), 5817 Nein (39,4 Prozent). Stimmbeteiligung: 61,1 Prozent.

Berner Zeitung

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