2019-05-03 19:41

So schützen Sie Ihre Privatsphäre

Facebook & Google geloben, mehr für den Schutz Ihrer Daten zu tun – das können Sie auf dem Handy oder am Rechner selbst tun.

Auch das hilft weiter: Fünf simple Massnahmen gegen Online-Schädlinge, Datendiebe und Internetfallen.

Zwei Ankündigungen dieser Woche sollen verunsicherte Internetnutzer beruhigen: Wir nehmen eure Sorgen ernst, wir schützen eure Privatsphäre. Facebook-Chef Mark Zuckerberg verkündete an der diesjährigen Entwicklerkonferenz F8: «Heute werden wir beginnen, eine soziale Plattform zu bauen, die auf Privatsphäre ausgelegt ist.» Tags darauf kündigte Google an, dass die Nutzer künftig entscheiden können, wie lange bestimmte Daten gespeichert werden sollen.

Wie sehr diese Versprechungen heisse PR-Luft sind und wie viel davon ernst gemeint ist, muss sich in den kommenden Monaten zeigen – fest steht schon heute: Man muss sich selbst kümmern, wenn die Privatsphäre geschützt werden soll. Mit diesen Handgriffen ist ein erster Schritt getan.

Auf dem Handy

Kontrollieren Sie regelmässig Ihre Datenschutz-Einstellungen auf Ihrem Handy, insbesondere, wenn Sie häufig neue Apps installieren.

Das iPhone hat dafür einen eigenen Abschnitt im Einstellungsmenü. Hier lohnt es sich, alle Kategorien durchzuklicken; vielleicht haben Sie einer App, die Sie längst nicht mehr nutzen, vor Jahren einmal Zugriff auf Ihre Fotos gewährt. Besonderes Augenmerk verdienen die Ortungsdienste – hier haben Sie in iOS die Möglichkeit, den Zugriff auf den Standort nie, «beim Verwenden der App» und manchmal auch «immer» zu gewähren. Für die Option «immer» gibt es wohl in den wenigsten Fällen eine vernünftige Begründung – also wählen Sie höchstens «beim Verwenden der App».

Ganz unten in der Liste der Ortungsdienste findet sich der Menüpunkt «Systemdienste» – hier finden Sie den Unterpunkt «Wichtige Orte». Hier sammelt Apple Orte, die Sie regelmässig besuchen – wie zum Beispiel Ihr Zuhause, Ihre Arbeitsstelle oder Schule oder aber auch Ihre Lieblingsbeiz. Angeblich, um Ihnen «nützliche ortsbezogene Informationen» in eigenen Apps anzubieten. Sie können diesen Dienst deaktivieren – ich habe es vor einigen Monaten getan und keine signifikante Verschlechterung der Apple-Dienste erfahren.

Ein erfreulicher Nebeneffekt der Deaktivierung von Ortungsdiensten ist übrigens, dass Ihr Akku länger hält – weil die Dienste nicht länger Energie fressen.

In Android gehen Sie wie folgt vor: In den Einstellungen wählen Sie «Apps & Benachrichtigungen», dort dann «App-Berechtigungen». Auch hier lohnt es sich, alle Unterpunkte zu überprüfen. Unter dem Menüpunkt «Standort» finden Sie die Apps, die ortsbezogene Daten sammeln.

Am Rechner oder auf dem Handy

Wenn Sie ein Google-Konto haben bzw. Google Chrome als Browser nutzen, lohnt sich auch hier ein Blick in die Einstellungen. Dort haben Sie die Möglichkeit, das Senden von Browserdaten an Google zu unterbinden – diese sollen dazu beitragen, Ihnen ein reibungsloses, sicheres und auf Ihre Interessen zugeschnittenes Surfen zu ermöglichen. Hier muss jeder selbst entscheiden, ob der Komfort oder die Privatsphäre überwiegen soll. Unter Myaccount.google.com können Sie weitere Einstellungen vornehmen – hier können Sie beispielsweise die Location History pausieren, die ortsbezogene Daten sammelt. Dies ist natürlich vor allem interessant, wenn Sie Ihr Google-Konto auch auf einem mobilen Gerät nutzen (beispielsweise über eine Gmail-App). Von dort können Sie auch Ihre Youtube-Einstellungen kontrollieren und künftig auch festlegen, wann Ihre Suchanfragen und ortsbezogenen Daten gelöscht werden sollen. Neu wird es möglich sein, alle Daten automatisch nach drei oder 18 Monaten zu löschen – diese Funktion soll in den kommenden Wochen zur Verfügung stehen.

(So stellt man das automatische Löschen bei Google künftig ein. Copyright: Google)

In Firefox können Sie unter den Einstellungen im Bereich «Datenschutz & Sicherheit» einen «Schutz vor Aktivitätenverfolgung» einstellen. Er «blockiert nur Systeme, welche Ihr Surfverhalten über mehrere Websites verteilt aufzeichnen». Dies könnten Tracking-Dienste sein, wie sie Google oder Facebook verwenden. Als Grundeinstellung ist hier «Nur in privaten Fenstern» ausgewählt, man kann aber auch die Option «Immer» anwählen. Hier kann man ebenfalls die «Datenerhebung durch Firefox und deren Verwendung» unterbinden.

Im Apple-Browser Safari haben Sie in den Einstellungen unter «Datenschutz» ebenfalls die Möglichkeit, ein Websites-übergreifendes Tracking zu deaktivieren (auf dem iPhone rufen Sie dazu in den Einstellungen den Menüpunkt zu Safari auf und scrollen zu «Datenschutz & Sicherheit» herunter).

Zu guter Letzt ist auch bei Facebook eine regelmässige Kontrolle der Einstellungen angebracht. Diese sind im Browser über das Dreieck ganz rechts in der blauen Leiste zu finden oder in der App über den Burger – das sind die drei horizontalen Striche. Leider sind die beiden Einstellungsbereiche nicht identisch angelegt.

Grundsätzlich haben Sie bei privaten Daten wie Telefonnummer, E-Mail-Adressen oder dem Beziehungsstatus die Möglichkeit, zwischen «Öffentlich», «Freunde», «Freunde (ausser Bekannte)» und «Nur ich» sowie diversen Gruppen von Nutzern auszuwählen. Hier müssen Sie selbst entscheiden, je nachdem, wie Sie Facebook nutzen. Grundsätzlich verstecken Sie hier Ihre Daten aber nicht vor Facebook selbst, sondern eher vor anderen. Wenn Sie nicht wollen, dass Facebook Bescheid weiss, geben Sie besser die Daten gar nicht erst ein.

Besonders interessant sind hier natürlich auch die standortbezogenen Daten und darüber hinaus die Apps, in denen Sie sich mit Ihrem Facebook-Konto angemeldet haben. Hier sollten Sie regelmässig sicherstellen, dass nur Apps Zugriff auf Ihr Facebook haben, die Sie auch noch nutzen. Schnell häufen sich hier Karteileichen an. Des Weiteren können Sie Ihre Werbepräferenzen überprüfen – das geht beispielsweise auch bei Google, hat aber nicht zur Folge, dass Sie weniger Werbung sehen, sondern im Zweifelsfall lediglich weniger auf Sie zugeschnittene Werbeinhalte.

Dies sind natürlich nur ein paar Hinweise, wie man sich und seine Daten besser schützen kann – die Liste liesse sich wohl beliebig verlängern. Wenn Sie sich hierfür alle paar Monate einige Minuten nehmen, ist Ihre Zeit sicher gut investiert.