2015-01-19 14:12

Mario Botta baut die Sternwarte Uecht neu

Niedermuhlern

Die Sternwarte Uecht in Niedermuhlern soll baulich und technisch erneuert werden. Hinter dem Millionenprojekt steht der Tessiner Architekt Mario Botta.

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  • Laura Fehlmann

Die Sternwarte Uecht in Niedermuhlern ist ein beliebtes Ausflugsziel. Tagsüber bietet der Ort eine wunderschöne Aussicht. Nachts, weil meist nebelfrei und kaum lichtverschmutzt, ist die Sicht auf das Universum mit den Teleskopen der Sternwarte ein Erlebnis, das jedes Jahr mehr Menschen anzieht (siehe Kasten). Das Gebäude mit der runden Kuppel und den rot-schwarz bemalten Fensterläden steht auf der grünen Wiese, unscheinbar und ein bisschen altmodisch.

1951 erbaute der Bernburger, Industrielle und Hobbyastronom Willy Schaerer die Sternwarte. Nun ist das als erhaltenswert eingestufte Gebäude zu klein geworden. Die immer zahlreicheren Besucher finden kaum mehr Platz. «Deshalb hat der Stiftungsrat beschlossen, ein neues Gebäude zu erstellen und die Technik zu erneuern», sagt Beatrice Giovannoni, Geschäftsleiterin der Sternwarte Uecht.

Kurz entschlossen habe man den Tessiner Architekten Mario Botta angefragt, ob er interessiert wäre, für die neue Sternwarte ein Gebäude zu gestalten. «Er sagte begeistert zu, auch weil es einen Stern namens Mario Botta gibt», verrät Giovannoni. Botta lieferte umgehend Skizzen – gratis. Nun folgt die Detailplanung, und das Baugesuch wird vorbereitet.

Das Vorprojekt ist vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) bereits genehmigt worden. Weil die Sternwarte auf Landwirtschaftsboden steht, braucht es eine Ausnahmebewilligung. Diese hat das AGR in Aussicht gestellt.

Unterirdischer Bau

Damit die Autonomie der historischen Bauten – Sternwarte und Sonnenturm – bewahrt werden kann, schlägt Mario Botta vor, das neue Observatorium in den Untergrund zu verlegen. Die bereits bestehende Bodenerhebung auf der Uecht wird verstärkt, sodass eine rundum angelegte, nach allen Seiten geöffnete Beobachtungsplattform gebildet werden kann. In deren Mitte wird ein 7 Meter hoher Turm mit 6,5 Metern Durchmesser stehen. Auf dessen Terrasse wird die neue Beobachtungsstation mit modernstem Teleskop und mit einer Kuppel installiert.

Im Turm ist auch der Haupteingang zu den unterirdischen Arbeits- und Vortragsräumen geplant. Diese weisen eine Fläche von rund 500 Quadratmetern auf. Für Helligkeit in den unterirdischen Räumen sollen Oberlichter sorgen.

Neueste Technik

Im neuen Observatorium wird Technik der neuesten Generation eingebaut. «Ferngesteuerte Instrumente werden den Besuchern erlauben, live in den Himmel zu schauen», erklärt Beatrice Giovannoni. Denn obwohl Nebel auf der Uecht selten ist, ist das Wetter oft ein Problem. «Der letzte Sommer war beispielsweise schlimm», sagt Giovannoni. Mit der neuen Technologie können die Besucher in Zukunft auch tagsüber in den Himmel gucken. Ist er von Wolken bedeckt, werden Videos von den letzten klaren Tagen und Nächten gezeigt.

Nach der geplanten Erweiterung und Aufrüstung sollen auch die heute noch weitgehend unbekannten Forschungsergebnisse des Astronomischen Instituts der Universität Bern und der universitären Sternwarte Zimmerwald einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, auch mit Veranstaltungen. Trotz all diesen Neuerungen solle die Uecht eine Oase der Ruhe bleiben, ein «Zentrum der Musse» inmitten des Gantrisch-Parks.

Kosten: 5 Millionen Franken

Bund und Kanton haben die Detailkonzeption des Projekts finanziell unterstützt. Die Gesamtkosten für den Neubau und die vollständig erneuerte Technik werden auf rund 5 Millionen Franken veranschlagt. «Aber das ist erst eine grobe Schätzung», wendet Beatrice Giovannoni ein. Sie ist froh, dass die Stiftung durch eine starke Trägerschaft abgestützt ist: das Astronomische Institut der Universität Bern, den Naturpark Gantrisch, das Sonnenobservatorium Uecht, die Standortgemeinde Niedermuhlern und die umliegenden Gemeinden sowie die Regionalkonferenz Bern. «Die Finanzierung wird eine grosse Herausforderung sein», sagt Giovannoni.

Das Fundraising wurde mit zwei kleinen Projekten gestartet: Für 75 Franken pro Jahr kann man Mitglied des Sternen-Clubs der Sternwarte Uecht werden. Mit einer fünfjährigen Mitgliedschaft oder mit 300 Franken kann man sich symbolisch ein persönliches Himmelsobjekt sichern – und dieses dann von der Sternwarte aus beobachten.

Berner Zeitung