2017-11-02 06:00

Die Bevölkerung ist enttäuscht von der Post

Bätterkinden

Die Post will ihre Schalter in Bätterkinden dicht­machen. Die Filiale sei zu ­wenig frequentiert und stark defizitär, sagen die Verantwortlichen. Geplant ist eine Agenturlösung. Die Behörden befürchten einen Leistungsabbau.

Die Poststelle im Dorfzentrum wird immer seltener genutzt. Spätestens 2019 sollen die Schalterdienstleistungen deshalb an einem anderen Ort angeboten werden.

Die Poststelle im Dorfzentrum wird immer seltener genutzt. Spätestens 2019 sollen die Schalterdienstleistungen deshalb an einem anderen Ort angeboten werden.

(Bild: Thomas Peter)

  • Tobias Granwehr

Die Grundstimmung gegenüber der Post ist derzeit negativ. ­Zumindest in Bätterkinden. Das Unternehmen lud diese Woche zu einem Dialoganlass, an dem die Zukunft der Post im Dorf diskutiert werden sollte. Knapp hundert Personen folgten der Einladung. Und viele liessen ihrer Enttäuschung über die Pläne der Post freien Lauf: Sie will ihre Filiale in Bätterkinden schliessen und strebt eine Agenturlösung im Dorf an.

Der Gemeinderat nehme ­dieses Vorhaben erstaunt zur Kenntnis, sagte Ratspräsident Beat Linder. «Wir grenzen an das Limpachtal und den Bucheggberg und haben eine Zentrumsfunktion. Viele Leute aus diesen Gebieten kommen nach Bätterkinden zum Einkaufen – und nutzen dank ihrer zentralen Lage auch die Dienstleistungen der Post.» Dass es Veränderungen gebe, sei auch dem Gemeinderat bewusst. «Doch wir sind klar gegen den Abbau von Service public», sagte Linder und erntete dafür Beifall. Der Rat sei jedoch offen für andere Lösungen.

24-Stunden-Gesellschaft

Die Verantwortlichen der Post waren sich aufgrund der bisherigen Erfahrungen an solchen Veranstaltungen durchaus bewusst, was auf sie zukommen würde. Entsprechend vorbereitet traten sie auf. Bernhard Büchler, Leiter des Poststellengebietes Mittelland, erklärte den Anwesenden mit Powerpoint-Präsentationen und Videos, welchen Herausforderungen sich das Unternehmen heute stellen muss: «Wir entwickeln uns zu einer 24-Stunden-Gesellschaft mit individuellen Bedürfnissen. Mit diesen Veränderungen müssen wir umgehen und entsprechende Dienstleistungen anbieten.»

Urs Krattiger, Netzentwickler der Post, versuchte dann, anhand von Zahlen der Bevölkerung aufzuzeigen, wie schwierig die Situation der Post an gewissen Standorten ist: «Die Poststelle in Bätterkinden ist stark defizitär. Die Schalternutzung ist vergleichsweise gering.» In den vergangenen sechs Jahren seien die Einzahlungen und die Briefaufgaben markant zurückgegangen. Sendungen wurden sogar fast 50 Prozent weniger abgeholt. Einzig die Paketaufgabe habe in diesem Zeitraum zugenommen, so Krattiger. Dies habe mit dem Onlinehandel zu tun.

Bei der Analyse sei die Bätterkinder mit der Utzenstorfer Poststelle verglichen worden. In Utzenstorf verzeichne die Post mehr Privat- und Geschäftskunden. Zudem gehöre das Gebäude dort im Gegensatz zu Bätterkinden der Post selbst. Der Vergleich mit der Nachbargemeinde kam in Bätterkinden wie erwartet nicht gut an. Das seien ausreden, war von Anwesenden zu hören. «Warum werden nicht einfach die Öffnungszeiten reduziert?», fragte jemand. «Das führt zu nichts», entgegnete Büchler. Es kämen bloss noch weniger Kunden, und später müsse dann wieder gehandelt werden. «Wir streben eine zukunftsorientierte Lösung an.»

Einen Partner finden

Für die Post kommen in Bätterkinden zwei Lösungen infrage: eine Agentur (siehe Kasten) oder der Hausservice. Krattiger erklärte, es sei noch keine Entscheidung gefällt worden. «Doch unsere Stossrichtung ist klar: Wir tendieren zu einer Agentur.» Dafür muss die Post einen Partner finden. Büchler betonte: «Wir sind überzeugt, dass es in Bätterkinden Möglichkeiten für eine Agentur gibt.»

Laut Krattiger wird nun aufgrund diverser Kriterien überprüft, wer in Bätterkinden für eine Agenturlösung infrage käme. Danach würden vertiefte Abklärungen getätigt. Geplant seien die Schliessung der Poststelle und die neue Lösung im zweiten Halbjahr 2018, spätestens aber 2019.

Berner Zeitung