2017-10-01 18:02

Duo spielte sich in die Herzen der Zuhörer

Adelboden

Valentine Michaud und Akvile Šileikaite waren die viel beachteten jungen Musikerinnen, die am Freitag beim Swiss Chamber Music Festival als Akmi-Duo auftreten durften.

Das Akmi Duo mit der Pianistin Akvil? Šileikait? und der Saxophonistin Valentine Michaud spielten sich beim Preisträgerkonzert in die Herzen der Zuhörer.

Das Akmi Duo mit der Pianistin Akvil? Šileikait? und der Saxophonistin Valentine Michaud spielten sich beim Preisträgerkonzert in die Herzen der Zuhörer.

(Bild: zvg/Sabine Burger)

  • Herbert Kobi

Das Programm des Preisträgerkonzertes am Freitagabend schien nicht unbedingt leichte Kost zu versprechen. Doch bei den angesagten Werken wuchsen die französische Saxofonistin Valentine Michaud und die Pianistin Akvil? Šileikait? aus Litauen über sich hinaus und überbrachten mit Vollendung die Sonaten an das fasziniert lauschende Publikum in der Dorfkirche.

Alle Hürden gemeistert

Eigentlich schrieb Paul Hindemith im Jahr 1919 seine Sonate op. 4 Nr. 11 für Viola und Klavier, Michaud konnte aber mit dem warmen Klang ihres Saxofons die Fantasien und Variationen in begeisternden Weise lebendig werden lassen. Im wunderschönen musikalischen Dialog mit Šileikait? war es ein Erlebnis, die gefühlvollen und schwermütigen, aber auch die lauten und leben­digen Umsetzungen zu ge­niessen.

Auch die Hot-Sonate von Erwin Schulhoff, welche eine Vereinigung des Jazz und der Moderne des ersten Drittels des letzten Jahrhunderts darstellt und mit Blues und Tanzmusik der 1930er-Jahre verbunden ist, verlangte den beiden einiges ab. Experimentelles Spielen war dabei gefragt, und manchmal kam das ­Gefühl hoch, Tonfolgen des Boléro von Maurice Ravel herauszu­spüren.

Sonaten als Knacknuss

Die Sonate in vier Sätzen des Amerikaners William Albright bot noch einmal eine Knacknuss. Die Komposition erforderte eine facettenreiche und schnell wechselnde Spielweise. Elemente wie Anklänge zu Bach, ein hochlyrisches Lamento, ein leises Scherzo und Bebop- und Technoklänge vereinigten einige Jahrhunderte auf einen gemeinsamen Nenner. Dabei verlor das Saxofon zwischenzeitlich seine Seele und tauchte in den Körper einer Oboe oder einer Klarinette.

Sieg im Wettbewerb

Es hatte seinen guten Grund, dass die jungen Frauen des Akmi-Duos den Schweizer Saxofonisten und Komponisten Kevin Juillerat für ein Auftragswerk aussuchen durften. Diese Ehre war nur möglich, weil die beiden Musikerinnen den ersten Rang in der Orpheus Swiss Chamber Music Competition 2017 erreicht haben. Der Preis wurde durch Heiner Hempel von der Fondation Durmüller-Bol überreicht.

Moderator Marc van Wijnkoop Lüthi lobte nicht nur die Leis­tungen des Akmi-Duos, sondern hielt auch eine Laudatio auf Juillerat und sein Werk «Der Teich des Patriarchen». Der Roman «Meister und Margarita» des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow gab ihm die Inspiration, das Gelesene in Musik umzuwandeln.

Der Tontanz verlangte den Künstlerinnen sehr viel ab, und es war fast selbstverständlich, dass diese zeitgenössische Musik des Westschweizers grossen Anklang fand. Mit einer Auswahl an Arien der Oper «Carmen» von Georges Bizet klang der Abend aus. Dabei bewies Valentine Michaud noch einmal ihr grosses Können am Saxofon. Brillant und virtuos beherrschte sie zeitgleich Melodie und Ausschmückungen davon. Akvil? Šileikait? zeigte sich auch hier als einfühlsame Begleiterin.

Heiner Hempel sprach allen aus der Seele: «Alle Musiker beherrschen ihr Handwerk und haben viel geübt. Doch es geht auch um die Kommunikation und das gemeinsame Verständnis für den Komponisten.»

Berner Oberländer