2011-03-07 10:00

Tink.ch bietet professionellen Einstieg in die Medienwelt

Bern

Jugendliche aus der ganzen Schweiz, die einen ersten Schritt in die Medienwelt wagen wollen, finden beim Jugendmagazin «Tink.ch» Unterschlupf. Eine Erfolgsgeschichte.

Erst Online, jetzt Print: «Tink.ch»-Macher David Naef präsentiert die ersten beiden Printmagazine «Sucht» und «Lebensläufer».

Erst Online, jetzt Print: «Tink.ch»-Macher David Naef präsentiert die ersten beiden Printmagazine «Sucht» und «Lebensläufer».

(Bild: Stefan Anderegg)

  • Jessica King

Wer beim Stichwort «Jugendmagazin» an billiges Papier, orthografische Fehler und schlecht recherchierte Beiträge denkt, wird vom Magazin «Tink.ch» bald eines Besseren belehrt. «Mit Tink wollen wir jungen angehenden Journalisten einen Einstieg in den Journalismus ermöglichen», erklärt der stellvertretende Verlagsleiter David Naef. «Und dieser sollte möglichst realistisch und professionell gestaltet sein.»

Letzteres ist dem ehrgeizigen «Tink.ch»-Team gelungen – das aktuelle Magazin zum Thema «Lebensläufer» verstrickt elegante Kolumnen mit tiefgründigen Beiträgen, punktet auch mit einem sauberen Layout und griffigem Papier. «Freunde, die mein Engagement früher belächelt haben, waren selber beeindruckt, als sie das fertige Produkt in den Händen hielten», sagt der Berner mit einem verschmitzten Lächeln.

Erfolgreiches Internetportal

Obwohl erst zwei Magazine erschienen sind, lebt Tink im Internet bereits seit April 2006. Der Onlinenewsletter, der jede Woche verschickt wird, hat aktuell 1000 Abonnenten, pro Monat zählt Tink.ch bis zu 40'000 Klicks – Tendenz steigend. Die Möglichkeit, sich so journalistisch auszuleben, wird dementsprechend rege genutzt: 200 ehrenamtliche Mitarbeiter, genannt Tinks, publizierten im letzten Jahr Beiträge von Libyen über Bligg bis hin zu lokalen Geschichten aus sieben Städten der Schweiz. «Wir wollen der Jugend eine Stimme geben», sagt Naef.

Wichtig sei es, dass die Beiträge von den erfahreneren Redaktoren redigiert und korrigiert würden, da man von einem ausführlichen Feedback am meisten lerne. Naef muss unwillkürlich lächeln, als er an seine ersten Beiträge denkt, Kolumnen über das Leben eines Berners in St.Gallen: «Da denke ich heute einfach, jööh!»

Ehrenamtliches Engagement

Der Schritt vom Onlineportal zum vierteljährlichen Magazin mit verschiedenen Spezialthemen hat dem Team, das sich fast ausschliesslich ehrenamtlich engagiert, eine Menge zusätzlicher Arbeit beschert. Nebst seiner Lehre als Informatiker arbeite er durchschnittlich zu 30 Prozent für Tink, schätzt Naef. «Kurz vor der Publikation des Magazins lag der Aufwand sogar bei sechs bis sieben Stunden täglich.»

Diese harte Arbeit hat sich gelohnt: «Die Auflage von 2000 ist nicht ganz weg, aber für eine Lancierung ganz ohne Marketing sind wir sehr zufrieden – auch qualitativ.» Hiermit einverstanden ist die Valiant-Bank, die dem «Tink.ch»-Team 1000 Exemplare ihres Magazins abkaufte, um sie in ihren Filialen aufzulegen. Der Versuch, Jugendlichen den Einstieg in die Medienwelt zu erleichtern, trägt Früchte: Diverse «Tink.ch»-Redaktorinnen und -Redaktoren arbeiten heute bei Zeitungen wie dem «Tages-Anzeiger» oder dem «Bieler Tagblatt».

Die einzige Schattenseite der Arbeit an «Tink.ch» ist für Naef offenbar die mangelnde Möglichkeit, selber zu schreiben: «Ich habe mir vorgenommen, wieder mehr Beiträge zu verfassen», sagt Naef. «Aber irgendwie fehlt mir halt doch die Zeit.»

Berner Zeitung