ABO+2019-11-17 00:30

Schlaflos in Bern

Markus Somm über Ignazio Cassis, Alt-Bundesrat.

Die Nachrichten sind derzeit nicht gut für Iganzio Cassis. Der Bundesrat mit seiner Parteipräsidentin Petra Gässi. Foto: Alessandro Della Valle (Keystone)

Die Nachrichten sind derzeit nicht gut für Iganzio Cassis. Der Bundesrat mit seiner Parteipräsidentin Petra Gässi. Foto: Alessandro Della Valle (Keystone)

Dem Vernehmen nach herrscht im Freisinn nun doch Panik, insbesondere Bundesrat Ignazio Cassis schleicht verunsichert im Bundeshaus herum wie eine Katze, die seit Wochen keine Maus mehr gesichtet hat: der Magen knurrt, die Augen flackern, doch schlimmer ist der vollkommene Zusammenbruch des Selbstbewusstseins, den wir beobachten. Cassis, immerhin ein Arzt, der manche Prüfung im Leben zu bestehen hatte, scheint nur mehr Fehler zu machen. Nichts gelingt, alles scheitert. Schlaflos in Bern. Wird im Dezember mit ihm tatsächlich ein freisinniger Bundesrat abgewählt? Ist es denkbar, dass das Undenkbare geschieht, dass die älteste und einst erfolgreichste Partei der Schweiz, die wie keine andere den Bundesstaat geprägt hat, oft auch mit ihm umgesprungen ist, als handelte es sich um einen Privatbesitz, doch am Ende immer mit Eleganz und Umsicht das Land geführt hat, – dass diese Partei auf einen einzigen Sitz zwangsgeschrumpft wird? Eine Art Liliputanisierung der FDP? Es wäre eine Katastrophe, aus Sicht des Freisinns, wohl aber auch aus Sicht des Landes. Was sich so lange bewährt hat, darf man nicht so leichtfertig nach dem Erstarken einer Partei der Halbstarken, denn so wirken die Grünen oft, aufgeben.