2014-07-11 10:24

Lieben und leiden im Wanderzirkus

Steffisburg

Zwar wurde die Premiere von «Katharina Knie» völlig verregnet. Berührt hat das Steffisburger Freilichttheater über die Artistin, die sich zwischen einem Mann und dem Zirkus entscheiden muss, trotzdem.

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  • Nik Sarbach

Freilicht, das sind laue Sommerabende, Sternenhimmel, zirpende Grillen. Freilicht kann aber auch anders, wie die Stäffisburger Spil-Lüt am Mittwoch erfahren mussten: Während der Premiere zum Stück «Katharina Knie» regnete es in einem fort. Die Aufführung abzusagen sei aber zu keinem Zeitpunkt infrage gekommen, sagte Regisseur Peter E.Wüthrich nach der Vorstellung. Freilicht ist nun mal Freilicht.

Ein schwieriger Entscheid

«Katharina Knie» erzählt die Geschichte der gleichnamigen Seiltänzerin, die in den 1920er-Jahren im Konflikt steht zwischen der Liebe zum Zirkus und der Liebe zu einem Mann. Eigentlich ist sie der ewigen Heimatlosigkeit und der Schulden überdrüssig und möchte mit dem Gutsbesitzer Martin sesshaft werden. Und doch fliesst in ihren Adern Artistenblut, lockt sie die Freiheit. So sieht sie sich gezwungen, eine schwierige Entscheidung zu treffen.

Den Stäffisburger Spil-Lüt gelingt es, die Handlung stimmungsvoll zu transportieren. Stimmungsvoll ist schon nur das liebevoll gestaltete Bühnenbild: Da stehen hölzerne Zirkuswagen, Zelte, im Vordergrund ein gusseiserner Holzofen, aus dem es freundlich qualmt. Und rechts davon ein prächtiger Vorhang, der die Illusion der Manege vom harten Alltag hinter den Kulissen trennt.

Mit Liebe zum Detail hat Bühnenbildner Andreas Stettler eine Szenerie erschaffen, der etwas Märchenhaftes anhaftet, die sich aber nicht über geschichtliche Fakten hinwegsetzt.

Glaubhafte Darsteller

Eindrücklich zeichnen die Darstellerinnen und Darsteller der Spil-Lüt das Zirkusleben nach, das von künstlerischer Freiheit, aber auch finanziellen Nöten geprägt ist. Von Beginn weg gibt Daniel Niedermann glaubhaft den strengen, aber liebevollen Zirkusdirektor, der sich wie ein Vater um seine Artisten kümmert.

Seine Glanzstunde hat Niedermann gegen Schluss des Stücks: Was er hier abliefert, ist Amateurtheater auf höchstem Niveau. Herrlich eingebildet ist derweil Christoph Graf als Ignaz Scheel. Auch Christa Zingg als quirlige Lebefrau Bibbo und Alfred Blum als spiessiger Steuerbeamter vermögen zu überzeugen.

Die Hauptdarstellerin Katharina Amrein, als ausgebildete Artistin und Schauspielerin der einzige Profi im Bunde, zeigt sich im ersten Teil noch verhalten. Erst im zweiten Teil blüht sie als gereifte, hin- und hergerissene Figur auf. Auf ausgiebige artistische Einlagen musste Amrein an der Premiere wegen des Regens verzichten: Ein kleines Schmankerl ihres Könnens behielt sie dem Publikum dennoch nicht vor.

Regisseur Peter E.Wüthrich holt viel aus den Laiendarstellern heraus und dirigiert sie geschickt von Schauplatz zu Schauplatz: Mal turteln Katharina und Bauer Martin auf dem Treppchen zu einem Wagen, mal sucht Katharina Bibbos Rat am Tisch hinter dem Vorhang, mal feiert die ganze Gruppe am Feuer um den Ofen.

Viel Herzblut

Das Herzblut, das die Mitwirkenden – es sind gegen 100 an der Zahl – vor und hinter den Kulissen in die Produktion gesteckt haben, ist förmlich spürbar. Das zeigt sich auch darin, dass die Darstellenden dem Regen und der Kälte bis zum Schluss der Premiere wacker trotzen. Freilicht ist nun mal Freilicht.

Weitere Vorstellungen: bis 16.August jeweils Di, Mi, Fr (ausser 1.August) und Sa um 20 Uhr bei der Villa Schüpbach. Die Tribüne ist überdacht. Tickets: bei der Valiant Bank Steffisburg oder Thun, telefonisch unter 0900320320 oder online. www.theater-steffisburg.ch

Thuner Tagblatt