2018-08-31 14:20

VW-Käufer müssen sich gedulden

Ausgerechnet bei den Bestsellern Golf und Tiguan sorgt der neue Abgastest für längere Lieferzeiten. Der Autobauer hat erst 7 von 14 Modellen zertifiziert bekommen.

VW hat zusätzliche Parkflächen am Berliner Flughafen BER angemietet, um Neuwagen zu lagern, die noch keine gültige Zulassung haben.

VW hat zusätzliche Parkflächen am Berliner Flughafen BER angemietet, um Neuwagen zu lagern, die noch keine gültige Zulassung haben.

(Bild: Keystone Alexander Becher)

Wer sich in diesen Tagen ein neues Auto von Volkswagen im Internet zusammenstellt, der kann auf eine Warnmeldung stossen. «Das im Konfigurator gezeigte Modell entspricht den Spezifikationen aus dem Modelljahr 2018, da die Daten zum Modelljahr 2019 aktuell noch nicht verfügbar sind», heisst es darin.

Hintergrund dafür ist der neue Abgastest nach dem WLTP-Standard (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure). Ab September dürfen in Europa nur noch Neuwagen verkauft werden, die nach diesem neuen Test zertifiziert sind. Und vor allem beim Volkswagen-Konzern bereitet das Probleme. Kunden müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen.

Denn VW hat nach eigenen Angaben erst 7 von 14 Modelle nach dem neuen Abgastest zertifiziert bekommen. Dazu zählen die Kleinwagen Up und Polo, der SUV Touareg und der Passat. Doch ausgerechnet die beiden Bestseller Golf und der Kompakt-SUV Tiguan haben noch keine gültige Zulassung gemäss WLTP-Standard. «Bei Varianten, für die wir noch keine amtliche Freigabe haben, werden sich die Lieferzeiten um mehrere Wochen bis Monate verlängern», kündigte jüngst der VW-Vertriebschef Thomas Zahn an.

Auch der Schweizer VW-Importeur Amag erklärte, dass es in Abhängigkeit von der Ausstattungsvariante wegen der Umstellung auf den neuen Abgastest Lieferverzögerungen geben könne. «Wie lange ein Kunde bei einer Fahrzeugbestellung bis zur Auslieferung momentan warten muss, hängt weniger vom Modell als vielmehr von der spezifischen Motoren-, Getriebe- und Ausstattungsvarianten ab», so ein Amag-Sprecher.

Der WLTP-Standard soll den Verbrauch und damit den CO2-Ausstoss realistischer messen als der alte NEFZ-Standard. So wird beim neuen Verfahren der Verbrauch bei Testfahrten auf der Strasse gemessen. Beim NEFZ-Standard dagegen wurde nur auf dem Prüfstand gemessen, was einige Hersteller wie VW dazu veranlasste, die Software der Autos so zu programmieren, dass ein Auto auf dem Prüfstand besonders wenig Schadstoffe ausstössst.

Umsteigen oder warten

Nun müssen alle Autos nach dem neuen WLTP-Zyklus von den Behörden zertifiziert werden, bevor sie an die Kunden ausgeliefert werden können. Dabei muss ein Hersteller alle Fahrzeugkombinationen zertifizieren lassen, erklärt ein VW-Sprecher. Allein für den Golf gibt es einige Hundert Motor-Getriebe-Kombinationen. Zudem ist das neue Prüfverfahren aufwendiger und dauert zwei- bis dreimal länger als der alte Testzyklus.

Auch andere Hersteller hatten Mühe, rechtzeitig zum Stichtag für ihre Fahrzeuge die nötige Zertifizierung zu bekommen. Aber bei VW ist das Problem besonders gross, weil dort die Ingenieure mit den Folgen der Dieselaffäre beschäftigt waren. Opel meldete dagegen am Donnerstag, alle seine Modelle seien «WLTP-ready».

Laut VW haben Kunden nun die Möglichkeit, auf ihr Wunschfahrzeug etwas länger zu warten, oder aber eine andere Ausstattungsvariante zu wählen, bei der bereits die WLTP-Zertifizierung vorliegt. VW hofft, bereits «in den kommenden Tagen oder Wochen», die WLTP-Papiere für den Golf zu bekommen. Bis Ende des Jahres will der Autokonzern das Problem vom Tisch haben.

Rund 250’000 Autos hat VW bereits auf Vorrat produziert, die Wagen warten nun auf die Zertifizierung, damit sie danach an die Kunden ausgeliefert werden. Dazu hat VW zusätzliche Stellflächen beim Berliner Pannenflughafen BER angemietet, um die Neuwagen zu parkieren. Damit die Halde der Autos nicht grösser wird, fährt der Konzern jetzt sogar die Produktion herunter.

VW drosselt die Produktion

Am Stammwerk in Wolfsburg stehen nun freitags und an manchen Montagen die Bänder still, auch das VW-Werk im spanischen Navarra macht im September für acht Tage zu.

Laut VW hätten die Lieferprobleme und die damit verbundenen längeren Lieferzeiten nicht dazu geführt, dass die Bestellungen zurückgegangen seien. Vertriebschef Zahn rechnet indes damit, dass es bei den Auslieferungen im vierten Quartal wohl eine Delle geben wird.