2019-05-22 11:05

Polizist zu Gaffer: «Willst du die Leiche sehen?»

Schaulustige behinderten nach einem tödlichen Unfall auf einer deutschen Autobahn die Rettungskräfte. Das brachte einen Beamten in Rage.

Neugierige am Unfallort: Einem Polizisten platzt der Kragen. (Video: News 5)

Ein 47-jähriger Lastwagenfahrer verlor am Dienstag nach einem schweren Crash auf der A6 bei Nürnberg sein Leben. Als viele Neugierige die Arbeit der Polizei und der Rettungskräfte behinderten, verlor ein Beamter die Nerven, wie das fränkische Onlineportal infranken.de berichtete. Der Polizist schrie einen Lastwagenfahrer mit den Worten an: «Nimmst du endlich dein Handy aus der Hand, sonst komme ich rüber und hol dich raus! Haben wir uns verstanden? Wer glaubst du denn, wer du bist!»

Auch andere Gaffer nahm der Ordnungshüter ins Visier. Einen ausländischen Lenker schnauzte er auf Englisch an: «Wo kommst du her? Steig aus, und ich zeige dir was. Willst du den Toten sehen? Für Fotos? Komm mit. Da liegt er, willst du ihn sehen? Willst du nicht? Warum machst du dann Fotos? Wenn du willst, kannst du hingehen und Fotos machen. Das kostet dich 128 Euro, weil du das hier fotografierst. Schämen solltest du dich!»

Gaffer auch in der Schweiz

Das Eintreffen von Gaffern bei Unfällen beschäftigt nicht nur Polizisten in Deutschland. Sogenannte Selfie-Protagonisten und Gaffer behindern auch in der Schweiz die Arbeit von Rettungskräften. Als im vergangenen August ein Feuer am Zürcher Bahnhofplatz ausbrach, mussten Feuerwehr und Polizei viele Passanten wegweisen, die vom Unglück Selfies machten, wie tamedia.ch berichtete. Der Zürcher FDP-Gemeinderat Përparim Avdili, der in der Brandnacht die Stadtpolizei auf einer Patrouille begleitete, stellte fest: «Es gab Leute, die machten Fotos vor dem brennenden Gebäude oder vor Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen.» Viele hätten sich der Polizei widersetzt. «Sie wollten ständig diskutieren, einige machten sich über die Einsatzkräfte lustig», erklärte Avdili.

Im Verlaufe des Einsatzes sei es zudem immer wieder zu Beleidigungen von Schaulustigen gekommen. Der Politiker hatte bei seinem Augenschein grossen Respekt vor den Einsatzkräften. «Polizei, Feuerwehr und Sanität waren extrem gut organisiert. Polizisten brauchen täglich so viel Nerven», sagte Avdili. Dennoch hätten sie sich immer professionell verhalten.

fal