2019-10-31 07:25

Natürlich 4:0 für YB

YB schlägt den FC Zürich im Cup-Achtelfinal zum dritten Mal in dieser Saison 4:0. Nach einer spektakulären ersten Halbzeit mit Topchancen auf beiden Seiten müssen die Gäste am Ende sogar noch froh sein, nicht höher verloren zu haben.

  • loading indicator

  • Fabian Ruch

    Fabian Ruch

YB 4, Zürich 0.

Natürlich gewinnen die Young Boys den Cup-Achtelfinal gegen den FCZ mit 4:0. Wie zuvor in dieser Spielzeit bereits zweimal in der Super League. Am Mittwochabend allerdings ist es keine Begegnung, die zwingend mit einer hohen Niederlage für den Aussenseiter enden muss.

Erst in der zweiten Halbzeit ist YB deutlich überlegen, lässt Ball und Gegner laufen, erspielt sich zahlreiche ausgezeichnete Gelegenheiten, trifft durch Frederik Sörensen nach einem Freistoss zum 3:0 und in der Nachspielzeit durch Torjäger Jean-Pierre Nsame zum 4:0. «Das Spiel lief sicher für uns», sagt David von Ballmoos, der in Abwesenheit von sieben verletzten Stammkräften erneut als Captain firmierte. «Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore erzielt und auch ein bisschen Glück gehabt, traf der FCZ nicht.»

Sohms grober Aussetzer

Vor der Pause noch entwickelte sich zwischen den zwei mutig ausgerichteten Mannschaften eine rasante, ausgeglichene Begegnung, die nach 45 Minuten problemlos 4:3 hätte stehen können. Was an prächtig aufgelegten Offensivkräften lag. Aber eben auch an nicht ganz so gut geschlossenen Defensivreihen, die grösstenteils abenteuerlich und naiv agierten.

Dass es eine Halbzeit mit rekordverdächtig vielen vergebenen Topchancen werden würde, liess sich nach sieben Minuten noch nicht erahnen. Nicolas Ngamaleu traf alleine vor dem Zürcher Tor kühl zum 1:0, nachdem FCZ-Mittelfeldspieler Simon Sohm mit einem feinen Schnittstellenpass die eigene Abwehr düpiert hatte.

«Die erste Halbzeit war sehr wild, da hat mir nicht alles gefallen. Aber wir haben erneut eine tolle Mentalität bewiesen.»Gerardo Seoane, YB-Trainer

Sohms Aussetzer war ein nettes Geschenk für YB-Trainer Gerardo Seoane, der am Mittwoch 41 wurde. Zürichs Coach Ludovic Magnin sass zur Feier des Tages oben auf der Tribüne, nachdem er gegen den FC Basel beim 3:2-Sieg am Sonntag wegen einer Unbeherrschtheit nach Spielschluss die Rote Karte erhalten hatte. «Das war dumm von mir», sagte Magnin danach, «aber so bin ich manchmal.»

Ngamaleus 1:0 bildete den Startschuss zu einem Feuerwerk an Möglichkeiten in beiden Strafräumen. Freundlich unterstützt von patzenden Abwehrspielern.

Tolle Paraden der Goalies

Frederik Sörensen offerierte dem wirbligen Aiyegun Tosin eine Chance, die YB-Goalie von Ballmoos parierte. Antonio Marchesano traf das verlassene Tor aus 16 Metern nicht, Tosin scheiterte gleich nochmal an von Ballmoos, dem kurz darauf mit einem grossartigen Reflex nach einem Schuss von Blaz Kramer aus kurzer Distanz die Parade des Abends gelang. Auf der anderen Seite verpassten Jean-Pierre Nsame, Christian Fassnacht und Cédric Zesiger am Tag der offenen Abwehrtüren das 2:0.

Gespielt waren zu diesem Zeitpunkt knapp 20 Minuten. Freunde von Slapstickaktionen kamen ebenso auf ihre Kosten wie Liebhaber von physikalischen Wundern wie jenem von Zesiger, der einen Kopfballaufsetzer aus vier Metern übers Tor setzte. Immerhin gönnten sich die Akteure danach ein paar ruhigere Momente, um in der Schlussphase der ersten Halbzeit noch einmal das Tempo zu erhöhen. Tosin überforderte die Young Boys mit seiner Schnelligkeit immer wieder, sein Abschluss aber hält mit den Dribbelqualitäten nicht ganz mit.

Sein Torhüter Yanick Brecher wiederum lud bei Versuchen von Roger Assalé und Nsame zur Flugshow ein. Und als die letzten Sekunden vor der Pause anbrachen, gelang YB doch noch das zweite Tor. Ganz unspektakulär nach einem Eckball von Gianluca Gaudino, den Fassnacht mit dem Kopf verwertete, obwohl sich alle zehn FCZ-Feldspieler vor dem eigenen Tor versammelt hatten. «Die erste Halbzeit war sehr wild, da hat mir natürlich nicht alles gefallen», sagt Gerardo Seoane. «Aber wir haben erneut eine tolle Mentalität bewiesen. Und nach der Pause waren wir auch defensiv stabil.»

Endlich Cupsieg gegen FCZ

Das 2:0 brach jedenfalls den Widerstand der Gäste, die mit ihrer jungen Mannschaft am Ende tatsächlich froh sein müssen, nicht höher als mit dem Saison-Standardresultat zwischen diesen beiden Teams verloren zu haben. Die Young Boys wiederum sind weiter daran, ihre Cup-Flüche zu bekämpfen. Gegen keinen anderen Verein waren sie ja seit dem letzten Triumph in diesem Wettbewerb 1987 öfter ausgeschieden als gegen den FCZ (viermal), in den letzten acht Jahren gleich dreimal im Stade de Suisse. Zuletzt vor eineinhalb Jahren im Final, den sie nach gewonnener Meisterschaft 1:2 verloren.

Vom Endspiel 2020 trennen YB jetzt noch zwei Siege. Am Donnerstagabend erfahren sie nach der Begegnung zwischen Lausanne und Xamax vorerst ihren Gegner im Viertelfinal im Frühling.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier: