2016-08-22 20:01

Im Osten will Bern über seine Grenze hinaus wachsen

Bern

Mit innerer Verdichtung soll die Stadt Bern bis zum Jahr 2030 um 12 Prozent wachsen. 8500 neue Wohnungen sind dafür nötig. Im am Montag präsentierten Stadtentwicklungskonzept (Stek) wird aufgezeigt, wo gebaut werden soll, wenn verdichten allein nicht reicht: im Westen und im Osten von Bern.

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  • Mirjam Messerli

Wie stark soll die Stadt Bern wachsen? Wo soll sie das tun? Und: Wie sollen die Bernerinnen und Berner wohnen und wie sich fortbewegen? Solch grundlegende Fragen sind im Stadtentwicklungskonzept, kurz Stek, beantwortet.

Knapp drei Jahre lang hat das Stadtplanungsamt unter der politischen Leitung des Gemeinderats das Stek erarbeitet. Nun schickt die Regierung das Konzept in die öffentliche Mitwirkung und präsentierte am Montag die Eckpunkte zu Raumplanung und Verkehr.

Keine konkreten Projekte

Das Konzept umfasst 81 Seiten und hat zwei vertiefende Berichte zu den Themen «Siedlung und Freiraum» sowie «Mobilität» (siehe Kasten). Im Stek sind keine konkreten Projekte aufgeführt. Es habe «eine abstrakte und grosse Flughöhe», sagte Stadtpräsident ­Alexander Tschäppät (SP). Trotzdem zeigt es, wie sich Bern in den nächsten fünfzehn bis zwanzig Jahren entwickeln soll.

8500 neue Wohnungen

Die Stadt soll wachsen. «Nicht exorbitant», relativierte Bau- und Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP). Angestrebt werde hauptsächlich «Wohnwachstum». Vorgesehen ist, dass die Einwohnerzahl um nahezu 12 Prozent von 140?000 auf rund 157?000 steigt. 8500 neue Wohnungen müssten dafür gebaut werden – das sind 550 pro Jahr.

Verdichten wird schwierig

Verdichten anstatt auf der grünen Wiese bauen: «Das hat für den Gemeinderat klar Priorität», betonte Ursula Wyss. Im Stek sind dafür elf sogenannte Chantiers (Baustellen) definiert worden. Das sind Areale, für die Fachleute besonderes Verdichtungspotenzial sehen.

Ob das Wachstumsziel allerdings allein durch das Verdichten gegen innen erreicht werden kann, stellte Stadtplaner Mark Werren infrage. «Etwa 50 Prozent des nötigen Wohnraums sollten so realisierbar sein. Aber dann wird es schwierig.» Auch Stadtpräsident Tschäppät betonte, dass man beim Verdichten auf den Goodwill von Land- und Liegenschaftseigentümern angewiesen sei. «Das eine ist, was wir machen wollen, das andere, was wir machen können.»

Im Westen auf BLS warten?.?.?.

Auch Stadtplaner Mark Werren tönte an, dass Bern wahrscheinlich «auch am Siedlungsrand» erweitert werden müsse. Sprich: auf der heute grünen Wiese. Im Stek sind zwei Möglichkeiten für eine Stadterweiterung auf­geführt, in Bern-West sowie im Osten im Gebiet Saali und Wittigkofen.

Im Westen könnte man rascher bauen, weil die Planungsgrund­lagen vorhanden seien, sagte Stadtpräsident Tschäppät. Einzige Unbekannte ist dort die BLS, die Riedbach nach wie vor für ihr neues Depot in Betracht zieht. «Sobald der Standortentscheid gefallen ist, könnten wir im Westen theoretisch planen», sagte Tschäppät.

.?.?.?im Osten auf die Burger

Im Osten dürfte das länger dauern: Hier ist die Stadt unter anderem von der Landeigentümerin Burgergemeinde abhängig, die erst einzonen will, wenn klar ist, ob die Autobahn überdacht wird.

In diesem Gebiet grast die Stadt im Stek gar über den Gartenhag. Hier wäre aus ihrer Sicht auch ein gemeindeübergreifendes Projekt mit Ostermundigen oder Muri machbar. Tschäppät: «Während der Arbeiten am Stek hatten wir mit den Gemeinden Kontakt. Wir können schliesslich nicht einfach über die Stadtgrenze hinaus etwas einzeichnen.»

Berner Zeitung

Weniger Autos sollen in den nächsten fünfzehn Jahren durch Bern fahren. Der Bahnhofplatz wäre für private Fahrten gar tabu.
Weniger Autos sollen in den nächsten fünfzehn Jahren durch Bern fahren. Der Bahnhofplatz wäre für private Fahrten gar tabu.(Bild: Keystone)