2019-10-24 10:35

Ihre Polit-Analysen treffen ins Schwarze

Cloé Jans erklärte nach den Wahlen vor nationalen TV-Kameras schlagfertig und redegewandt die Resultate. So tickt die junge Politologin.

Nach den Wahlen analysierte Cloé Jans in «10 vor 10» die Resultate. Foto: Screenshot SRF

Nach den Wahlen analysierte Cloé Jans in «10 vor 10» die Resultate. Foto: Screenshot SRF

«Ich hatte das Glück zu merken, was mich interessiert im Leben», sagt Cloé Jans. 2008 war es die Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten. Sie verschlang Bücher über die Kampagne – sie fand sie spannend wie einen Krimi – und war politisiert. Heute steht sie vor den nationalen TV-Kameras, analysiert und erklärt Wahlen, Abstimmungen und politische Debatten, welche die Schweiz bewegen.

Wenn sie spricht, tut sie das verständlich, schlagfertig, engagiert. Das steckt an, man bleibt dran. Sie tut das mit Dutt und Blazer, wie es einst der Mann mit der Fliege, Claude Longchamp, tat. Nur dass sie sich als Frau eben doch abhebt in der grauen Masse von Männern, die gewöhnlich Politik analysieren und kommentieren. So redegewandt, wie sie am Mikrofon auftritt, so erstaunt ist sie, als plötzlich sie selbst im Fokus steht. Fragen über sich habe sie bisher noch nie beantwortet. Für das, was sie antreibt, findet sie jedoch schnell Worte. Am Forschungsinstitut GFS Bern erlebt sie nationale Politik unmittelbar, direkt. Das begeistert sie. Es sei einzigartig, ein Privileg, so nah am Puls der Schweiz zu sein.

Seit 2014 arbeitet Jans bei GFS. Zuerst als Projektleiterin und Mediensprecherin, seit 2019 ist sie Mitglied der Geschäftsleitung. Sie hat einen Master in vergleichenden Politikwissenschaften und zwei Abschlüsse in Leadership und Management. Sie weiss: Will man nicht nur die älteren Stimmbürgerinnen und Stimmbürger vor den Fernsehgeräten erreichen, sondern auch die Jungen auf ihren Kanälen, muss man ihre Sprache wählen. Sie tut das auch in der Videoserie «Jans genau erklärt» beim Newsportal Watson. Die Videos sind in Instagram-Optik gedreht, sodass sie auf dem Smartphone gut funktionieren.

«Jemand hat mir einmal gesagt, Politik sei scheisse. Das ist zu kurzsichtig. Alles ist Politik.»Cloé Jans, Politikwissenschaftlerin, GFS Bern

Als Frau im männerdominierten Politikanalyse-Umfeld habe sie nie Probleme gehabt. Sie beobachte mit ihrem Team, was die Leute erzählen, ordne das dann ein. Die Analysen seien nicht aus der Luft gegriffen. Das gebe Sicherheit. «Man kann finden, dass das jemand besser oder weniger gut macht, aber Zahlen sind Zahlen.»

Besonders motiviert Jans der Umstand, dass Kunden für diese Zahlen und Analysen bezahlen – und entsprechende Erwartungen haben. So produziere sie etwas, das gebraucht wird und gefragt ist – und zwar als Basis für reale Handlungen. Was, wenn sie mal danebenliegt? «Dann kann man kaum mehr zu einem Apéro gehen, ohne zu hören: «Ou, was händer wieder gmacht?» Kritik kommt rasch. Läuft alles glatt und ist präzis, hört sie dagegen selten ein Kompliment.

Ihrer Motivation tut das keinen Abbruch, auch nicht, wenn sie auf Politikverdrossene trifft. «Jemand hat mir einmal gesagt, Politik sei scheisse. Das ist zu kurzsichtig. Alles ist Politik», findet Jans. Man könne sich darauf einlassen oder nicht, aber betroffen sei man sowieso. Gerade die letzten Wahlen hätten gezeigt, dass Basisbewegungen den Wahlausgang beeinflussen können – Klimajugend, Frauenstreik.

Zu sagen, dass sie selbst ein Vorbild für Junge sein könnte, würde sich Jans nie anmassen. Sie habe viel Unterstützung erfahren. Es sei die Aufgabe aller, ebenso von ihr selbst, auch anderen solche Möglichkeiten zu geben, eine offene Unternehmens- und Politikkultur zu erleben, um dorthin zu kommen, wo sie heute stehe.