2015-05-30 10:14

Silk-Road-Gründer zu lebenslanger Haft verurteilt

Seine Kunden kauften im Internet Drogen, er wurde dabei zum Millionär – nun ist der Drahtzieher des illegalen Online-Handelsplatzes zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden.

«Ich habe nur ein paar schwere Fehler begangen»: Ross William Ulbricht. (29. Mai 2015)

«Ich habe nur ein paar schwere Fehler begangen»: Ross William Ulbricht. (29. Mai 2015)

(Bild: Keystone)

Vor einem Gericht in New York verhängte die Bundesrichterin Katherine Forrest gegen den 31-jährigen Silk-Road-Betreiber Ross William Ulbricht am Freitag gleich zwei Mal lebenslänglich. Ulbricht war im Februar unter anderem wegen Drogenhandels und Geldwäsche schuldig gesprochen worden.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Ulbricht unter dem Pseudonym «Dread Pirate Roberts» den Drogenumschlagplatz im Internet betrieben hat. «Sie sollen Ihr Leben im Gefängnis verbringen», sagte Richterin Forrest bei der Urteilsverkündung in dem voll besetzten New Yorker Gerichtssaal, in dem auch Ulbrichts Eltern sassen.

«Was Sie getan haben, ist beispiellos.»Katherine Forrest

Sie verurteilte den 31-Jährigen zu zwei Mal lebenslanger Haft wegen Drogenhandels und krimineller Geschäfte. Zudem verhängte die Richterin Haftstrafen in Höhe von fünf, 15 und 20 Jahren für Computer-Hacking, den Handel mit gefälschten Dokumenten und Geldwäsche.

Zerstörerisch für soziales Gefüge

Die Richterin verhängte damit in allen Anklagepunkten die höchstmöglichen Strafen und stellte klar, dass Ulbricht nie wieder freikommen werde. «Was Sie mit Silk Road getan haben, war furchtbar zerstörerisch für unser soziales Gefüge», sagte sie. Angesichts der guten Ausbildung, die Ulbricht genossen habe, seien dessen Taten umso unbegreiflicher.

Ulbricht soll laut Anklage mit der Handelsplattform 16,5 Millionen Franken verdient haben. Auf Silk Road waren unter anderem Heroin, Kokain und LSD erhältlich. Neben Rauschgift konnten Internetnutzer dort aber auch Waffen und gefälschte Ausweise kaufen sowie Auftragsmörder anheuern. Die Ermittlungen waren knifflig, weil die Website über verschlüsselte Internetverbindungen lief und Transaktionen anonym über die Digitalwährung Bitcoin abgewickelt wurden. Im Oktober 2013 wurde Ulbricht in San Francisco festgenommen.

Die Richterin zitierte aus Online-Botschaften von Ulbricht, aus denen klar hervorgehe, dass er gewusst habe, was er tat und dass er geplant habe, sich ins Ausland abzusetzen. «Ich betreibe ein verdammtes kriminelles Multimillionen-Dollar-Geschäft», las sie aus einer Botschaft vor. «Zutiefst bewegt» hätten sie rund hundert Briefe, in denen Freunde und Verwandte Ulbricht als netten, intelligenten und geliebten Menschen beschrieben hätten.

Angeklagter zeigte vor allem Selbstmitleid

Der 31-Jährige, der aus gut situierten Verhältnissen stammt, verfolgte die Urteilsverkündung weitgehend reglos. Seine Mutter schlug sich dagegen die Hände vor das Gesicht. Emotionen zeigte der Angeklagte, als die jeweiligen Eltern eines 25-Jährigen aus Boston und eines 16-Jährigen Australiers angehört wurden – ihre Söhne waren an Drogen gestorben, die sie bei Silk Road gekauft hatten. Dabei zeigte Ulbricht jedoch vor allem Mitleid mit sich selbst. Schluchzend sagte er zur Richterin, er wolle ihr seine Perspektive schildern. «Wenn ich eine Chance bekomme, werde ich nie wieder Gesetze brechen», sagte er.

«Ich bin keine selbstbezogene, soziopathische Person. Ich habe nur ein paar schwere Fehler begangen.»Ross William Ulbricht

Die Verteidigung hatte während des Prozesses die Mindeststrafe von 20 Jahren Haft gefordert. Rechtsanwalt Joshua Dratel hatte vergeblich versucht nachzuweisen, dass sein Mandant nicht der wahre Drahtzieher von Silk Road gewesen sei. Ulbricht kann Berufung gegen das Urteil einlegen.

pst/AFP