2018-12-07 07:00

Anti-Pnos-Transparent: Gemeinderätin in Erklärungsnot

Schwarzenburg

«Ein Baum, ein Strick, ein Pnos-Genick» – mit diesem Slogan sorgten Demonstranten für Unverständnis. Das Transparent bringt auch der künftigen Schwarzenburger Gemeinderätin Vera Diener Ärger.

An vorderster Front dabei, hinter sich das heikle Transparent: Vera Diener.

An vorderster Front dabei, hinter sich das heikle Transparent: Vera Diener.

(Bild: Jürg Spori)

  • Stephan Künzi

    Stephan Künzi

Dieses Bild wird noch zu reden geben. Es zeigt die von den Jungsozialisten (Juso) organisierte Demonstration gegen die rechtsgerichtete Partei national orientierter Schweizer (Pnos) vom letzten Wochenende. Über den vorwiegend jungen linken Teilnehmern prangt das Transparent mit der mehr als diskutablen Botschaft: «Ein Baum, ein Strick, ein Pnos-Genick». Vor der Menge patrouilliert im gelben Gilet – richtig: Vera Diener, Jungsozialistin und ab Januar Gemeinderätin von Schwarzenburg.

Nicht nur bei den Bürgerlichen, die in diesem ländlichen Gebiet rund zwei Drittel Wähleranteil erreichen, löst das Stirnrunzeln aus. Auch Charly Meuron als Präsident der örtlichen SP hat hörbar keine Freude an derartigen Aktivitäten: «Sie muss sich zurücknehmen», sagt er ohne Umschweife. Das habe er ihr schon zu verstehen gegeben. Ein derartiges Engagement an vorderster Front vertrage sich nicht mit einem Gemeinderatsamt – bei einer derartigen Botschaft schon gar nicht.

Zum Transparent gingen schon am Montag die Juso selber auf Distanz: «Wir lehnen jegliche Gewalt als politisches Mittel ab», liess sich Sprecher Jérémie Reusser in dieser Zeitung zitieren.

Diener selber sieht es nicht anders. Die Formulierung sei «politisch nicht konstruktiv», erklärt sie. Die Urheber hätten sich wohl nicht viel gedacht, hätten wohl einzig den locker-flockigen Reim gesehen. So jedenfalls habe sie das Transparent interpretiert und ihm daher auch nicht allzu viel Bedeutung beigemessen. Ganz abgesehen davon, dass sie vollauf mit ihrer Aufgabe im Ordnungsdienst des Demozugs beschäftigt gewesen sei. Und dass auch die Polizei im Begleittross nicht verlangt habe, das Transparent zu entfernen.

Ganz von ihrer bisherigen Art des Engagements will die Jungpolitikerin auch als Gemeinderätin nicht abrücken. Zu wichtig ist ihr das Recht, demonstrieren und so für die eigene Meinung öffentlich einstehen zu können. Gerade wenn es wie am Wochenende gegen rechtsgerichtete Politik im Stil der Pnos geht.

Berner Zeitung