2019-02-03 12:32

«El Chapo» soll sich an Minderjährigen vergangen haben

Gegen den mexikanischen Drogenboss ist weiteres belastendes Material aufgetaucht. Der Anwalt des Angeklagten dementiert die Vorwürfe.

Verteidigung fordert Freispruch: Der beschuldigte Drogenboss Joaquín Guzmán. (8. Januar 2016)

Verteidigung fordert Freispruch: Der beschuldigte Drogenboss Joaquín Guzmán. (8. Januar 2016)

(Bild: Keystone Eduardo Verdugo (AP))

Vor den am Montag beginnenden Beratungen der Geschworenen im New Yorker Mammutprozess gegen den mexikanischen Kriminellen Joaquín «El Chapo» Guzmán sind Unterlagen veröffentlicht worden, die ihn schwer belasten.

Demnach sagte Guzmáns langjähriger Mitarbeiter Alex Cifuentes den Behörden, dass der Drogenbaron junge Mädchen – teilweise erst 13 Jahre alt – unter Drogen setzte und vergewaltigte. Eine Frau habe Guzmán Fotos der Mädchen geschickt und für jedes von ihnen von «El Chapo» 5000 Dollar verlangt.

Cifuentes, der diesen Dienst selbst drei bis vier Mal in Anspruch genommen habe, half Guzmán demnach dabei, den Mädchen eine «pulverartige Substanz» zu verabreichen. Während seiner vier Tage dauernden Zeugenaussage in dem Prozess, der am Donnerstag nach drei Monaten zu Ende ging, hatte Cifuentes nichts derartiges ausgesagt.

Verteidiger: Unglaubwürdige Behauptungen

Guzmáns Anwalt Eduardo Balarezo erklärte per E-Mail, sein Mandant bestreite Cifuentes' «Behauptungen». Für sie gebe es «keinerlei Bestätigung». Die Aussagen seien so «unglaubwürdig» gewesen, dass sie nicht ins Verfahren eingeführt worden seien. Es sei «bedauerlich», dass sie nun so kurz vor den Beratungen der Jury publik gemacht worden seien.

Die Verteidigung hat Freispruch für El Chapo gefordert. Der Star-Anwalt Jeffrey Lichtman griff in seinem Schlussplädoyer insbesondere die Zeugen der Anklage Jorge und Alex Cifuentes an. Diese hatten nach eigener Aussage lange Kokain an Guzmán geliefert, bevor sie mit der US-Justiz zusammenarbeiteten.

Guzmán ist unter anderem wegen Drogenschmuggels, Waffenhandels und Geldwäscherei angeklagt. Laut Anklage soll das mexikanische Sinaloa-Kartell unter seiner Führung zwischen 1989 und 2014 fast 155 Tonnen Kokain und grosse Mengen andere Drogen in die USA geschmuggelt haben. Ihm droht lebenslängliche Haft.

Während des Verfahrens hatte die Anklage über 50 Zeugen befragt sowie hunderte Dokumente und Dutzende abgehörte Telefonate aufgeboten. Sie schilderten bis in die grausamsten Details die extreme Gewalt und Korruption innerhalb des mächtigen Drogenkartells.

fal/sda