2018-09-18 10:23

577 Spielerinnen kosten so viel wie ein Spieler

Der neuste Transfer-Bericht der Fifa zeigt den gigantischen Unterschied zwischen Männer- und Frauenfussball.

In den USA ist Frauenfussball massentauglich. Auch dank Aushängeschild Alex Morgan (links). Bild: Getty Images

In den USA ist Frauenfussball massentauglich. Auch dank Aushängeschild Alex Morgan (links). Bild: Getty Images

  • Marcel Rohner

Der Fussball wächst immer weiter. Nicht nur bei den Männern. Spielerinnen wie die Brasilianerin Marta und die Amerikanerinnen Alex Morgan und Hope Solo sind international bekannt, die grossen Turinere finden immer mehr Beachtung. Das ist in der Schweiz nicht anders, das Interesse an der Nationalmannschaft beispielsweise steigt seit der erstmaligen WM-Teilnahme 2015 stetig.

Fifa-Präsident Gianni Infantino sagte Ende August im Rahmen der U-20-WM der Frauen, dass die Fifa bereit sei, den Frauenfussball auf ein neues Niveau zu heben. «Ob es nun darum geht, den Zugang für Mädchen auf der ganzen Welt zu verbessern oder das professionelle Elite-Spiel zu neuen Höhen zu führen.» Die Entwicklung des Sports stehe für ihn im Vordergrund, so Infantino weiter, darum sagte er auch: «Heute möchte ich das Spiel nicht mehr als Frauenfussball bezeichnen, sondern einfach als Fussball.» Generalsekretärin Fatma Samoura pflichtete bei: «Die Fifa ist auf jeden Fall bereit, sich für Modernität und Vielfalt in der Fussballwelt stark zu machen.»

Eine gigantische Differenz

Ein weiterer Schritt dieses Wegs sieht der Weltverband im Führen von Berichten. So wurden kürzlich internationale Transfers von Spielerinnen aus aller Welt ausgewertet und veröffentlicht. Soll diese Auswertung im Sinne der Fifa veranschaulichen, auf welch gutem Weg sich der Fussball der Frauen befindet, zeigt sie aber vor allem, wie gigantisch die Differenz zum Männerfussball nach wie vor ist. Oder: Wie viel Geld im bei den Männern fliesst.

Das International Transfer Matching System (ITMS), der Bericht der Fifa, besagt nämlich, dass in den ersten acht Monaten dieses Jahres genau 577 Spielerinnen transferiert wurden. Diese Zahl alleine mag noch nicht viel aussagen, angesichts davon, dass es sich bei den ausgewerteten Transfers nur um Profispielerinnen handelt und Amateurinnen nicht inkludiert wurden. Beeindruckend dafür ist, wie wenig diese 577 Profis kosteten: 493'235 US-Dollar, macht im Schnitt 855 Dollar pro Spielerin.

Natürlich ist ein Vergleich mit dem Männerfussball unfair. Die Stars dort sind globale Werbeträger, generieren Unmengen von Einnahmen, nur schon durch Verkäufe ihrer Trikots, und sind selbstverständlich einem viel grösseren öffentlichen Interesse ausgesetzt als die Frauen. Die Fifa hat über dieselbe Periode aber auch die Zahlen zu den Transfers im Männerfussball veröffentlicht: 15'049 Spieler kosteten 7,1 Milliarden Dollar, 471'792 Dollar also pro Spieler. Fast so viel wie alle Spielerinnen zusammen.

Die USA als Vorreiter

Es ist wenig erstaunlich, dass die meisten der untersuchten Transfers mit den USA zu tun haben. Aus keinem Land wechselten mehr Spielerinnen in andere Länder, nur in Kolumbien verpflichteten die Clubs mehr und fast ein Fünftel aller transferierten Spielerinnen stammt aus den Staaten. Der Fussball der Frauen ist in den USA weiter als in allen anderen Ländern, so spielt die Schweizerin Ana Maria Crnogorcevic bei den Portland Thorns regelmässig vor 20'000 Zuschauern, während Spielerinnen hierzulande sich oft nur einem Bruchteil zeigen können.