2014-10-08 06:05

Auch Mami findet das Löten «höllecool»

Bern

Eigentlich wollte die Organisation Westwind wie jedes Jahr in den Herbstferien die Kinder im Westen von Bern dazu animieren, Kunst zu machen. Unverhofft hat das Angebot dieses Jahr nun auch die Eltern gepackt.

Alain Schartner erklärt den Kindern, wie sie löten können.

Alain Schartner erklärt den Kindern, wie sie löten können.

(Bild: Urs Baumann)

  • Esther Diener-Morscher

Ganz konzentriert, die Zunge zwischen die Lippen geklemmt, hilft ein Vater seiner Tochter. Er setzt den Lötkolben auf den Kupferdraht, lässt das Lötzinn darüber tropfen. Dann versucht er, den zweiten Kupferdraht mit dem ersten zu verlöten. Es hält nicht. Er versucht es nochmals, noch konzentrierter. Es klappt nicht.

«Es müssen halt beide Drähte gleich heiss sein», hätte der Rat des Fachmanns Alain Schartners gelautet. Doch der Kugelbahnkünstler aus dem zürcherischen Wettingen widmet sich vor allem den jüngeren Menschen, die sich um die Werkbank auf dem Platz des Tscharnerguts drängen. Denn das ist sein Auftrag: den Kindern zu helfen, eigene Kunstwerke aus Kupferdraht zu schaffen.

Wie jedes Jahr finanziert die Organisation Westwind das Kunstmobil von der Fachstelle Spielraum, das immer in den Herbstferien während einer Woche im Westen von Bern Kunst zum Mitmachen anbietet. Doch so viel Zulauf wie Alain Schartner hat bis jetzt noch keiner gehabt. Noch nie seien schon am ersten Tag gleich 70 Kinder gekommen, stellte Petra Stocker von der Fachstelle Spielraum am Montag erstaunt fest.

Drahtkugelbahn

Auch speziell ist: Noch nie wollten so viele Eltern mitmachen. Regelrecht begeistert war unter anderen Sarah Messerli. «Höllecool» sei es, wieder einmal zu löten, sagt die Mutter. Sie habe das zum letzten Mal in der Schule gemacht. Zu Hause könne sie ihren beiden Kindern Linda und Sami dieses Erlebnis nicht bieten. Sie lobt den Profi Alain Schartner. In drei Sätzen instruiert er die Kinder. Dann lässt er sie selber machen.

Neben dem Werktisch steht ein Muster von Schartners Können: eine Drahtkugelbahn. Sie führt die Kugeln auf drei Bahnen durch ein abenteuerlich zusammengelötetes Drahtgebilde. Sie gibt dabei Töne von sich: Die Kugeln stossen auf ihrem Weg immer wieder auf angelötete Xylofontasten. Auf der einen Route tönts nach «D’Zyt isch da», auf der andern nach «Alli mini Äntli».

Der Vater hat es mittlerweile geschafft, die Drähte so zusammenzulöten, dass sie halten. «Merci viumau», sagt er begeistert. Und geht mit seiner Tochter am Arm und seinem Kunstwerk in der Hand nach Hause. Bis Freitag kann man beim Stapfenacker-Schulhaus von 13 bis 17.30 Uhr löten.

Berner Zeitung