2014-05-06 07:26

Papiermühlekreuzung: Das Warten geht weiter

Ittigen

Die Umgestaltung der Papiermühlekreuzung wird seit Jahren verschoben. Nun haben Bund und Kanton ihre Subventionen halbiert. Deshalb muss das Projekt im Dezember nochmals vor das Ittiger Stimmvolk.

Stau in alle Richtungen: Dieses Bild von der Papiermühlekreuzung wiederholt sich Feierabend für Feierabend.

Stau in alle Richtungen: Dieses Bild von der Papiermühlekreuzung wiederholt sich Feierabend für Feierabend.

(Bild: Walter Pfäffli)

  • Markus Zahno

    Markus Zahno

Bund und Kanton hätten 2,4 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Und bis Mitte 2013 seien die Bauarbeiten fertig. Das hörten die Ittigerinnen und Ittiger, als sie vor vier Jahren über die Umgestaltung der Papiermühlekreuzung abstimmten. Schliesslich sagten sie deutlich Ja zum 4,95-Millionen-Kredit.

Die Jahre zogen ins Land, umgestaltet wurde der Verkehrsknoten Papiermühle aber bis heute nicht. Zu den Stosszeiten stauen sich die Fahrzeuge wie eh und je. Nun mussten die Gemeindebehörden einen weiteren Rückschlag einstecken, wie sie gestern den Medien berichteten: Bund und Kanton werden massiv weniger zahlen. Von den Gesamtkosten von 4,95 Millionen Franken seien laut Bund nur 1,5 Millionen subventionsberechtigt. Von dieser Teilsumme werden Bund und Kanton je 35 Prozent übernehmen. Macht also noch 1,05 Millionen statt wie bisher angenommen 2,4 Millionen.

Falsche Hoffnungen?

«Einerseits sind wir natürlich enttäuscht», sagt Gemeinderat Robert Schindler (SVP). «Andererseits müssen wir froh sein, überhaupt etwas zu bekommen.» 2007 beantragte der Kanton, die Umgestaltung des Knotenpunkts ins Agglomerationsprogramm des Bundes aufzunehmen. Und zwar mit höchster Priorität. Später, in der Leistungsvereinbarung zwischen Bund und Kanton, war das Projekt dann aber zurückgestuft und als Eigenleistung der Gemeinde deklariert.

Haben die Gemeindebehörden dem Stimmvolk seinerzeit also falsche Hoffnungen gemacht? «Nein», antwortet Gemeindepräsident Beat Giauque (Bürgervereinigung Ittigen). In den letzten Jahren hätten verschiedene Verhandlungsrunden stattgefunden; immer wieder habe man dabei ermutigende Signale erhalten. «Wir hofften bis zuletzt, die in Aussicht gestellten Beiträge doch noch zu erhalten. Leider vergeblich», sagt Giauque.

Zweiter Anlauf

Trotz des Rückschlags will der Gemeinderat die Umgestaltung durchziehen. Durch die Teuerung der letzten vier Jahre haben sich die Baukosten inzwischen aber von 4,95 auf 5,28 Millionen Franken erhöht, davon müsste Ittigen jetzt über 4 Millionen selber zahlen. Deshalb muss das Geschäft im Dezember nochmals vor die Gemeindeversammlung. Die Verantwortlichen sind guter Dinge, dass das Volk erneut zustimmt. Denn: «Die Papiermühle ist die Verkehrsdrehscheibe von Ittigen», sagt Beat Giauque. Die komplexe Lichtsignalanlage sei alt und werde irgendwann aussteigen. «Sollte das passieren, hätten wir ein grösseres Problem.» Es gebe keine Alternative zu diesem Projekt.

Das sahen die Gegner an der Gemeindeversammlung vor vier Jahren anders. Die Umgestaltung werde die Staus bei der Papiermühlekreuzung nicht lösen, monierten sie. «Das Einzige, was wir loswerden, ist das Geld.»

Neues Hochhaus

Kernstück des Projekts ist ein neuer Kreisel. Dazu werden unter anderem Fussgängerstreifen und -wege sowie eine Nebenstrasse versetzt. «Vom Projekt hängt aber noch einiges mehr ab», erklärt Robert Schindler. Im Zuge der Umgestaltung sollen Häuser abgerissen werden, dafür ist beim Kreisel zum Beispiel ein neues Hochhaus mit 14 Stockwerken geplant. Die Pläne werden in wenigen Wochen vorgestellt, dann, wenn die öffentliche Mitwirkung beginnt.

Apropos Zeitplan: Die Baubewilligung für die Umgestaltung der Papiermühlekreuzung ist kürzlich abgelaufen. Mittlerweile ist sie um zwei Jahre bis am 10. April 2016 verlängert. An diesem Tag müssen die Bauarbeiten angefangen haben; falls nicht, beginnt das Baubewilligungsverfahren nochmals von vorne. «So weit soll es nicht kommen», sagt Gemeinderat Schindler – und hofft, Mitte 2017 über die neu gestaltete Papiermühlekreuzung fahren zu können.

Berner Zeitung