2018-09-27 18:17

Unfallfoto wird für Gaffer teuer

Kanton Freiburg

Das Freiburger Kantons­gericht hat einen Autolenker zu einer Busse verurteilt, der in langsamer Fahrt auf der Autobahn einen Unfall fotografiert hatte.

Hat sich der Verurteilte auf die Strasse oder aufs Fotografieren konzentriert? (Symbolbild/iStock)

Hat sich der Verurteilte auf die Strasse oder aufs Fotografieren konzentriert? (Symbolbild/iStock)

  • Hans Ulrich Schaad

    Hans Ulrich Schaad

Der Autofahrer hatte ein Rendez-vous mit seiner Freundin in ­Murten. Auf der Autobahn bei Kerzers staute sich jedoch der Verkehr nach einem Unfall. Um seiner Freundin den Grund für die Verspätung zu belegen, machte er mit seinem Handy ein Foto der Unfallstelle. Dumm nur, dass er dabei von der Polizei beobachtet und angehalten wurde. Der Staatsanwalt verurteilte den Autolenker daraufhin wegen grober Verkehrsregelverletzung zu 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit bedingt und zu einer Busse von 300 Franken.

Dieses Urteil liess der Autolenker nicht auf sich sitzen und legte beim Einzelgericht Berufung ein. Erfolgreich, denn das Gericht in Murten sprach ihn von den Vorwürfen frei. Zudem erhielt er eine Parteientschädigung von 1500 Franken. Dieses Verdikt passte wiederum der Staatsanwaltschaft nicht, und sie zog den Fall vor das Freiburger Kantonsgericht. Dieses setzte sich intensiv mit den Fingerfertigkeiten auseinander, die für das Schiessen des Handyfotos notwendig waren.

Foto war scharf

Der Lenker behauptete, dass sein Blick stets auf die Strasse und nicht auf das Mobiltelefon gerichtet war. Das Gericht jedoch fand, so wäre es unmöglich gewesen, «ein akkurat zentriertes Foto vom gewünschten Objekt» zu machen, argumentiert das Gericht. Zudem sei das Foto im Querformat geschossen, was ein Drehen des Gerätes bedingt habe. Das Gericht geht deshalb davon aus, dass der Blick des Lenkers für «einige wenige Sekunden» auf das Handy gerichtet war. Eine konkrete Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer habe aber nicht bestanden. Denn der Lenker war im Schritttempo in einer Kolonne unterwegs.

Das Kantonsgericht hielt ihm zudem zugute, dass er der Polizei gegenüber den Sachverhalt sofort zugestanden hatte. Es verurteilte den Autofahrer wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Busse von 100 Franken. Dazu kommen nun aber noch Verfahrenskosten von 1350 Franken.

Berner Zeitung