2019-05-13 21:42

Der Kapitalvorbezug kann sich rächen

Zur Finanzierung von Wohneigentum gibt es bessere Lösungen, als Geld aus der Pensionskasse zu nehmen.

Auch eine Pfändung oder ein Vorbezug über die Säule 3a bieten sich auf dem Weg zum Eigenheim an. Foto: Keystone

Auch eine Pfändung oder ein Vorbezug über die Säule 3a bieten sich auf dem Weg zum Eigenheim an. Foto: Keystone

Die scheinbar lockere Hausfinanzierung mit dem Sparguthaben der Pensionskasse kann täuschen. Das Gesetz erlaubt es, Geld aus der zweiten Säule zu nehmen, um ein Eigenheim zu finanzieren. Von diesem Vorbezug des Alterssparkapitals machen angehende Hausbesitzer rege Gebrauch. Doch viele zahlen das bezogene Geld später nicht wieder in die Pensionskasse ein, was die Rente schmälert.

Die Reduktion der Rente lässt sich einfach berechnen: Beträgt der Umwandlungssatz 5 Prozent von 100'000 Franken Pensionskassenkapital, geht es um eine jährliche Rente von 5000 Franken. Wer also aus der zweiten Säule 100'000 Franken bezieht, schmälert seine Jahresrente um 5000 Franken. Die Pensionskasse gibt Auskunft über die Höhe des Umwandlungssatzes.

Im Alter fehlt das Geld

Manch einer denkt sich, dass er eine Rentenreduktion kompensieren kann, weil er dank Wohneigentum keinen Mietzins mehr zahlt. Das ist aber leider nicht immer der Fall. Denn erstens muss der Wohneigentümer nach heutigem Recht den Eigenmietwert als Einkommen versteuern. Diese Steuerlast ist für Rentner bedeutend, da sie nach dem Erwerbsleben mit deutlich weniger Geld auskommen müssen. Zweitens fallen immer wieder – zum Teil auch erhebliche – Unterhaltskosten an. Wem nur eine kleine Rente zur Verfügung steht, der kommt bei solchen Ausgaben finanziell rasch an den Anschlag. Und wer drittens im Rentenalter eine Hypothek finanzieren muss, ist mit einem tiefen Renteneinkommen schlecht gegen Zinserhöhungen gewappnet. Daneben gibt es weitere Auslagen wie Gesundheitskosten, die das Budget belasten können.

Deshalb ist es ratsam, Alternativen zum Kapitalvorbezug zu prüfen. Eine davon ist die Pfändung. Dabei tritt der Hauseigentümer den Anspruch auf sein Alterskapital an die Bank ab, welche die Hypothek zur Verfügung stellt. Die Bank darf also auf das Pensionskassengeld zugreifen, wenn der Eigenheimbesitzer seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Die Pfändung hat gegenüber dem Vorbezug den Vorteil, dass die Rente nicht geschmälert wird.

Hohes Alterssparkapital anstreben

Bei einer Pfändung wird auch der Zinseszins dem Alterssparkapital weiterhin gutgeschrieben, wodurch dieses schneller steigt. Mario Bucher, Vorsorgeexperte bei Pensexpert, rechnet vor, wie viel der Zinseszins ausmacht: Schon gemäss dem in der beruflichen Vorsorge vorgeschriebenen Mindestzins von ­aktuell 1 Prozent werden aus 100'000 Franken innerhalb von zehn Jahren über 110'000 Franken. Oder anders gesagt: Bei einem Bezug von 100'000 Franken zur Hausfinanzierung gehen in zehn Jahren mindestens 10'000 Franken an Zinsen verloren. Auch Ehepaaren empfiehlt Bucher in der Regel, ein möglichst hohes Alterssparkapital anzustreben, da so bei einem Todesfall der Partner oder die Partnerin finanziell besser abgesichert ist.

Eine weitere Alternative zum Kapitalvorbezug ist die Haus­finanzierung über die Säule 3a, falls dort genügend Kapital angespart ist. Dabei gibt es auch die Variante der indirekten Amortisation: Der Hausbesitzer verpflichtet sich, steuerbegünstigt auf ein Säule-3a-Konto einzuzahlen, von dem in regelmässigen Abständen die Hypothek amortisiert wird.