2017-11-24 07:16

«Mille feuilles» geht in den Service

Die teils harsche Kritik am Französischlehrmittel «Mille feuilles» hat Folgen: Der Verlag überarbeitet das Buch sechs Jahre nach der Einführung umfassend, er muss auch für die massiven Mehrkosten aufkommen.

Nur die Edition für die fünfte und sechste Klasse werde überarbeitet, so Bernhard Pulver (Erziehungsdirektor).

Nur die Edition für die fünfte und sechste Klasse werde überarbeitet, so Bernhard Pulver (Erziehungsdirektor).

(Bild: Christian Pfander)

Die Hoffnung wich rasch der Ernüchterung: Als 2011 in sechs Kantonen der Französischunterricht für Drittklässler eingeführt wurde, verband man damit automatisch ein höheres Sprachniveau der Schülerinnen und Schüler beim Übertritt in die Oberstufe. Passiert ist jedoch das Gegenteil. Die ersten Schüler, die an die Sekundarschule I kamen und zuvor vier statt wie vorher üblich zwei Jahre Französisch gebüffelt hatten, hatten zu grossen Teilen schlechtere Sprachkenntnisse als ihre Vorgänger. Die Schuld für diese negative Entwicklung gaben Eltern, Lehrer und Bildungsexperten dem neuen Lehrmittel «Mille feuilles». Damit lernen die Kinder nicht mehr vorwiegend Grammatik, sondern sie erkunden die Sprache auf spielerische Weise.

Weil die Kritik seither nie ganz abgerissen ist, sahen sich die sechs am Projekt beteiligten Kantone zum Handeln gezwungen. Neben Bern sind auch die beiden Basel, Freiburg, Solothurn und das Wallis dabei. Gemeinsam mit dem Schulverlag Plus, der «Mille feuilles» entwickelt hat, hat man sich nun nach ersten erfolgten Verbesserungen auf eine grundlegende Überarbeitung des Lehrmittels verständigt. Das wurde gestern bekannt.

Mehr praktische Übungen

Nicht betroffen von der Neuauflage ist das Buch für die Dritt- und Viertklässler. «Dort funktioniert das Konzept, da haben wir kaum Probleme», sagte der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) auf Anfrage. «Im Frühfranzösisch soll das Erkunden der Sprache lustvoll und spielerisch bleiben.» Deshalb werde einzig die Edition für die fünfte und sechste Klasse überarbeitet.

«Das wird relativ teuer, die Kosten trägt jedoch der Schulverlag.»Bernhard Pulver, Erziehungsdirektor

Wie «Mille feuilles» danach aussehen wird, wissen Pulver und die anderen Erziehungsdirektoren noch nicht, schliesslich gehe der Verlag jetzt erst an die Arbeit. Klar sei aber, dass mehr praktische Sprechübungen integriert und auf eine verstärkte Förderung der Alltagssprache Wert gelegt werden soll. Pulver macht jedoch deutlich, dass es sich nicht bloss um einzelne Retouchen handle, sondern um eine umfangreiche Neuedition.

Geld und Zeit

Jene Lehrer, die auf eine rasche Auslieferung der zweiten Auflage hoffen, muss Pulver enttäuschen. «Qualität kommt vor Geschwindigkeit.» Er rechnet damit, dass die neue Version von «Mille feuilles» frühestens auf das Schuljahr 2019/2020 bereit sein wird. «Eher sogar erst ein Jahr später.» Man wolle das neu gestaltete Buch vor der flächendeckenden Einführung ja auch ausgiebig testen können. Allerdings können die Lehrpersonen ab Anfang 2018 auf das neue Material- und Spielset «On bavarde?» zurückgreifen, das der Schulverlag Plus entwickelt hat. Damit lassen sich Alltagssituationen wie die Konversation während eines Restaurantbesuchs oder beim Einkaufen simulieren.

Pulver stellt klar, dass die Überarbeitung die sechs Kantone kein Geld ­koste. «Das wird relativ teuer, die ­Kosten trägt jedoch vollumfänglich der Schulverlag.»

phm