2012-06-07 07:02

Glücksmoment am frühen Morgen

Sternwarte Uecht

Die Interessierten pilgerten am Mittwochmorgen nicht ganz vergebens ins Hügelland bei Niedermuhlern. Wenigstens ein paar Momente lang gaben die Wolken den Blick frei, als die Venus an der Sonne vorbeizog.

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  • Stephan Künzi

    Stephan Künzi

Ein Venus-Transit ist, wenn sich die Venus vor die Sonne schiebt und zum kleinen Punkt in der gleissenden Scheibe wird. Gestern Morgen war das seltene Naturschauspiel am Himmel über Bern zu sehen. 8 Jahre nach dem letzten und 130 Jahre nach dem vorletzten Mal – bis zum nächsten Mal werden übrigens erneut 105 Jahre verstreichen.

«Den Venus-Transit vom 6.Juni zu sehen, ist schlicht begeisternd und natürlich auch das letzte Mal in unserem Leben», hielt deshalb das Einladungsschreiben der Sternwarte Uecht unmissverständlich fest. Das Observatorium im Hügelland bei Niedermuhlern wollte zur Feier des Tages eigens aufmachen und den Moment allen, die ihn erleben wollten, über das grosse Teleskop näher bringen.

Wenn denn die Möglichkeit dazu bestanden hätte: Weil es immer mehr zuzog, wurden gestern einzig die Frühaufsteher belohnt. Ihnen war es vergönnt, durch eine schmale Lücke in der Wolkendecke wenigstens ein paar Augenblicke lang ein Stück von der aufgehenden Sonne mitsamt Venus-Punkt zu erhaschen.

Am Schluss regnete es

Umso aufgeregter reagierten jene, die zu der Zeit in der Sternwarte schon auf der Lauer lagen. Es war kurz nach halb sechs Uhr, und in der schmalen Lücke am Himmel kündigte das Morgenrot die aufgehende Sonne an, als es plötzlich losging. Die meisten hatten sich erst darangemacht, ihre Instrumente genau auszurichten, als über die Terrasse neben der Kuppel der Ruf ging: «Er hat sie fotografiert!»

Gemeint war Martin Mutti aus Wichtrach, und in der nun folgenden Stunde musste der passionierte Hobbyastronom seine Bilder wieder und wieder zeigen. Immerhin sollten sie die einzigen bleiben. Zwar blieb der Himmel auch weiterhin hie und da offen, und so hoffte wohl manch einer im Stillen, nochmals selber einen Blick auf Sonne und Venus werfen können. Doch es sollte nicht sein, und als es sieben Uhr wurde, war der Zug ohnehin abgefahren. Die Astronomen hatten nämlich berechnet, dass sich auf diesen Zeitpunkt hin die Venus von der Sonnenscheibe lösen würde. Zudem kippte das Wetter definitiv, es begann zu regnen.

Gymeler brachen früh auf

Marcel Prohaska war unter diesen widrigen Umständen schon zuvor nichts anderes übrig geblieben, als die gut zehnköpfige Schar mit allerhand Interessantem aus der Welt der Astronomie zu unterhalten. Der Leiter der Sternwarte erzählte, dass die Sonne am Morgen deshalb rot erscheine, weil das Licht vom Horizont her einen langen Weg zurücklege und sich dabei erst noch im Staub der Atmosphäre breche. Er erklärte weiter, dass eine Sternwarte mit Vorteil im Süden einer Stadt stehe, weil der Süden für astronomische Beobachtungen am besten sei. Und zeigte sich schliesslich erleichtert darüber, dass wenigstens die paar Bilder von Martin Mutti gelungen waren. «So sind wir nicht ganz vergebens gekommen.»

In diesem Sinne empfing er auch die Schulklasse, die unverhofft auftauchte. 37 Gymeler waren in aller Frühe in Burgdorf aufgebrochen, um den Venus-Transit von den Hügeln in Niedermuhlern aus zu beobachten. In der Sternwarte auf dem eigenen Schulhaus sei der Blick gegen den Sonnenaufgang zu halt versperrt, sagte Simon Fankhauser, ihr Lehrer – und anerkennend: «Ich hätte nie gedacht, dass das Interesse unter den Schülerinnen und Schüler so gross sein würde.»

Berner Zeitung

Die schmale Lücke in der Wolkendecke gab kurz den Blick zum Naturschauspiel frei: Die Sternwarte Uecht am Morgen des Venus-Transits.
Die schmale Lücke in der Wolkendecke gab kurz den Blick zum Naturschauspiel frei: Die Sternwarte Uecht am Morgen des Venus-Transits.(Bild: Christian Pfander)