2019-06-18 07:45

Auch in Muri sollen die Mieter preisgünstig wohnen können

Muri

SP und Grüne wollen vom Schwung aus Bern und Köniz profitieren und lancieren in Muri eine Wohninitiative.

Wohnüberbauung Obstgarten in Muri. (Archivbild)

Wohnüberbauung Obstgarten in Muri. (Archivbild)

(Bild: Urs Baumann)

  • Stefan Künzi

Die Stadt Bern und Köniz haben es erfolgreich vorgemacht. Das macht den Linken und Grünen in Muri Mut. Hier wie dort wurde die Wohninitiative deutlich an der Urne angenommen, und damit gilt nun für Um- und Neueinzonungen: Ein gewisser Prozentsatz der Wohnungen muss preisgünstig vermietet werden.

Oder besser, es gälte – denn hier wie dort hat der Hauseigentümerverband den Gang durch die Instanzen angetreten, weil er in der Vorlage einen unzulässigen Eingriff in den privaten Besitz sieht. Mittlerweile liegt die Wohninitiative der Stadt Bern beim Bundesgericht, die etwas abgeschwächte Variante aus Köniz beim kantonalen Verwaltungsgericht.

Und trotzdem wird ein ähnliches Begehren nun auch in Muri lanciert? In einer Gemeinde, die so bürgerlich-liberal geprägt ist wie keine andere im Grossraum Bern? Er wisse sehr wohl, sagt Raphael Racine für die SP, dass eine Wohninitiative in einem solchen Umfeld einen schweren Stand habe. Offen lässt er durchblicken, dass er dabei vor allem ans Parlament denkt, wo FDP und SVP gemeinsam die Mehrheit stellen. Beim Volk dagegen rechnet er sich Chancen aus: «Ich bin überzeugt davon, dass unser Anliegen Sympathien weckt.»

Die beiden Parteien wollen auch das Ihre dazu beitragen. So haben sie von Köniz die relativierende Bestimmung in den Initiativtext aufgenommen, wonach die Beschränkung erst ab einer zusätzlichen Wohnfläche von 4000 Quadratmetern zum Tragen kommen soll. Anders als in Köniz und auch in Bern sollen im Minimum nicht 30, sondern nur 20 Prozent für die preisgünstige Miete reserviert sein.

Diese Leitplanken, fährt Racine fort, bewährten sich auch in der Praxis. Das habe er von Genossenschaften erfahren, die im gemeinnützigen Wohnbau tätig seien: Auf 4000 Quadratmetern hätten, bei einer Durchschnittsfläche von 100 Quadratmetern pro Einheit, vierzig Wohnungen Platz. 20 Prozent entsprächen acht Wohnungen, und die wiederum liessen sich gut links und rechts eines zentralen Eingangs auf vier Etagen unterbringen – «das macht Sinn».

Dann erinnert Racine an den knappen Wohnraum und die steigenden Mieten in der Agglo Bern. Erwähnt weiter die diversen Verdichtungs- und Einzonungsprojekte in Muri, dank deren man nun Gegensteuer geben könne. Und schliesst: Einzonungen seien viel besser akzeptiert, wenn sie dem preisgünstigen Wohnen dienten.

Trotz allem stellt sich Racine auf einen schwierigen Abstimmungskampf ein. Umso gelegener kommt ihm, dass das Begehren auch von Leuten aus EVP und Forum getragen wird.