2018-12-17 20:48

Nach Randale: Bald keine STI-Shuttlebusse mehr?

Thun

Nach den Ausschreitungen am Thuner Bahnhof behalten sich die Busbetriebe vor, bei Risikospielen künftig keinen Shuttlebetrieb mehr zum Stadion und zurück anzubieten.

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  • Barbara Schluchter-Donski

Thomas Wegmann spricht Klartext: «So geht es nicht mehr weiter», sagt der STI-Direktor nach den Vorkommnissen vom Samstagabend auf dem Thuner Bahnhofplatz. «Ausschreitungen und Sachbeschädigungen gab es auch schon früher, aber dieses Ausmass ist auch für uns neu.» Derzeit geht Wegmann von einem Sachschaden von rund 80'000 Franken aus, welchen gewaltbereite Fans im Nachgang zur Partie zwischen dem FC Thun und GC allein an zwei Bussen der Thuner Verkehrsbetriebe verursacht haben.

Runder Tisch gefordert

«Ich habe Gemeinderat Peter Siegenthaler aufgefordert, alle Verantwortlichen rasch an einen Tisch zu bringen, um die Kosten- und Sicherheitsfrage zu klären», erklärt Wegmann und meint damit explizit die Vertreter der beiden Fussballvereine, der Swiss Football League, aber auch von SBB und BLS. «Wir können jetzt nicht einfach in den Winterschlaf übergehen.»

Konkret fordert der STI-Direktor, dass die Fussballvereine, insbesondere GC, die enstandenen Kosten übernehmen und die Sicherheit aller Unbeteiligten, so auch diejenige der Chauffeure, künftig gewährleistet ist. Schliesslich stünden im Februar die nächsten Heimspiele mit Partien gegen YB und nochmals gegen GC an.

Besonders in die Pflicht nimmt Wegmann dabei die Liga: «Ihr kommt in der ganzen Angelegenheit eine tragende Rolle zu», sagt der STI-Direktor. «Es ist an ihr, Massnahmen zu ergreifen.» Dazu gehöre beispielsweise, Forfaitsiege zu erklären oder gar Spiele nicht durchzuführen. «Aber leider kam von der Liga in Angelegenheiten wie dieser bisher wenig bis gar nichts.» Im Gegensatz zur Liga hätten hingegen die Stadt, die Polizei und der FC Thun bisher vieles richtig gemacht.

«Massive Auswirkungen»

Von den Ereignissen betroffen waren die Verkehrsbetriebe am Samstagabend auch insofern, als dass sie den Transportauftrag nicht mehr erfüllen konnten: «Der Bahnhofplatz ist unser operatives Nervensystem», erklärt Wegmann, «wenn er eine Stunde lang gesperrt bleibt, wie das am Samstag der Fall war, dann sind die Auswirkungen massiv.» Konkret sei zwischen 21.45 und 22.45 Uhr fast nichts mehr gegangen, und die Kunden hätten nicht mehr in nützlicher Frist an den von ihnen gewünschten Ort gebracht werden können. «Dafür haben die meisten Leute kein Verständnis», so Wegmann.

Wegmann stellt Ultimatum

Für Wegmann ist deshalb bereits jetzt klar: «Werden die offenen Fragen nicht geklärt, behalten wir uns vor, die Fans bei Risikospielen nicht mehr mit Shuttlebussen zum Stadion und zurück zu transportieren.» Er ist sich aber bewusst, dass eine solche Massnahme nicht einfach umzusetzen sein wird: «Das Problem ist, dass auch eine Linie des öffentlichen Verkehrs am Stadion vorbeiführt und die Fans darauf ausweichen könnten.» Konsequenterweise müsste in diesem Fall auch diese Linie eingestellt werden, was im Widerspruch zur Transportpflicht stehe.

Vorläufig wartet Wegmann nun auf einen Sitzungstermin: «Der Lead liegt ganz klar bei der Stadt. Peter Siegenthaler hat mir bereits zugesichert, dass er sich der Sache annimmt.»

GC verurteilt Vorfälle

Auf die Vorkommnise vom Samstag hat GC, von dessen Fans die Sachbeschädigungen ausgingen, ebenfalls reagiert. «Wir verurteilen solche Vorfälle aufs Schärfste», schreibt der Fussballclub auf seiner Website. So sei der Verein bereits dabei, die Hintergründe der Geschehnisse zu eruieren und sämtliche notwendigen und durchsetzbaren Konsequenzen gegenüber der Täterschaft zu ziehen. «Zurzeit laufen Gespräche mit allen involvierten Personen, sei es mit den Behörden der Stadt Thun, dem FC Thun, aber auch den Sicherheitsverantwortlichen und den Fanbeauftragten», erklärte die Medienbeauftragte Fabienne Wildbolz gegenüber dieser Zeitung.

Noch nichts Neues zu den angelaufenen Ermittlungen konnte am Montag die Kantonspolizei Bern vermelden: «Wir sind unter anderem daran, das vorhandene Videomaterial auszuwerten», erklärte Sprecherin Ramona Mock. «Unser Ziel ist ganz klar, die Beteiligten zu identifizieren.»

Am Samstagabend sei dies nicht möglich gewesen: «Wir wurden vom massiven Gewaltpotenzial überrascht», sagt die Polizeisprecherin. «Deshalb legten wir den Fokus darauf, die Sicherheit aller Unbeteiligten zu gewährleisten und die gewaltbereiten Fans möglichst rasch mit dem Zug Richtung Zürich losfahren zu lassen.» Eine Kontrolle im Zug habe nicht mehr stattgefunden: «Im Extrazug sassen mehrere Hundert Personen. An den Ausschreitungen waren jedoch nur mehrere Dutzend Täter beteiligt.»

Gemäss ihren Angaben geht es denjenigen Personen, welche sich im Zusammenhang mit den Ausschreitungen verletzt haben, den Umständen entsprechend gut: «Die fünf Polizisten wurden nur leicht verletzt. Und die Person, welche sich ins Spital begeben musste, konnte dieses im Verlaufe des Montags wieder verlassen.»

Thuner Tagblatt